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	<title>Denkwerkstatt &#187; Doing Gender</title>
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	<description>Geschlechterforschung (gender studies), Feminismus, Diskriminierung. Unter anderem interessiert mich Männlichkeit – nein, nicht im essentialistischen Sinne. Sondern als soziale und analytische Kategorie, als undefinierbares Konzept, als Mythos und als Anrufung.</description>
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		<title>Jungen als Bildungsverlierer?</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Apr 2013 21:34:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>brigittethe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Doing Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Sozialarbeiter und Psychoanalytiker Michael M. Kurzmann arbeitet im Verein für Männer- und Geschlechterthemen Steiermark und veranstaltet im Frühling gemeinsam mit zwei Kolleg_innen eine kostenlose Fortbildungsreihe zum Thema Jungen als Bildungsverlierer. Ich habe ihn vorab gefragt, ob Jungen in der Schule denn wirklich männliche Vorbilder brauchen und was kritische Burschenarbeit eigentlich ausmacht. Burschen werden in der Schule [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Sozialarbeiter und Psychoanalytiker Michael M. Kurzmann arbeitet im Verein für Männer- und Geschlechterthemen Steiermark und veranstaltet im Frühling gemeinsam mit zwei Kolleg_innen eine kostenlose <a href="http://vmg-steiermark.at/empfehlung/jungen-als-bildungsverlierer">Fortbildungsreihe</a> zum Thema Jungen als Bildungsverlierer. Ich habe ihn vorab gefragt, ob Jungen in der Schule denn wirklich männliche Vorbilder brauchen und was kritische Burschenarbeit eigentlich ausmacht.</p>
<p><strong>Burschen werden in der Schule benachteiligt &#8211; diese These wird wiederholt in den Medien diskutiert. Ist die Behauptung aus deiner Sicht empirisch haltbar?</strong></p>
<p>Der pauschalisierende Diskurs über Buben als Bildungsverlierer ist empirisch nicht haltbar und blendet zudem wesentliche soziale Problematiken aus. Grundsätzlich ist festzustellen, dass Burschen und Mädchen besser ausgebildet sind als je zuvor. Für Österreich zeigen die PISA-Daten, dass Mädchen bessere Lesekompetenzen aufweisen und im höheren Ausmaß eine maturaführende Schule besuchen. Burschen erzielen höhere Testleistungen in Mathematik. Die Ergebnisse verdeutlichen vor allem aber den zentralen Einfluss des sozioökonomischen Hintergrundes auf die Lernergebnisse. Die Annahme, dass ein höherer Anteil an weiblichen Lehrkräften sich nachteilig auf die Lernergebnisse von Burschen auswirkt, wurde zuletzt im Zuge der österreichischen PISA-Zusatzanalysen von Leitgöb u. a. empirisch widerlegt.</p>
<p>Auf gesamteuropäischer Ebene zeigen sich mehrheitlich ein leichter Anstieg oder gleichbleibende Zahlen für Männer in einer höheren Sekundarausbildung, wobei vor allem Männer mit Migrationshintergrund eine geringere Beteiligung aufweisen. Die Zahl der männlichen Schulabbrecher ist in den letzten zehn Jahren leicht gesunken, es besteht aber immer noch ein markanter Unterschied zwischen Mädchen und Burschen: im Jahr 2010 wurden in der EU 16% aller jungen Männer im Alter von 18 und 24 als Schulabbrecher verzeichnet, im Vergleich zu 12,2% der jungen Frauen. Die Anzahl der Schulabbrecherinnen und Schulabbrecher mit Migrationshintergrund ist dabei deutlich höher als die jener ohne Migrationshintergrund (in Österreich etwa viermal so hoch!). (Eine Zusammenfassung der Ergebnisse dieser EU-Studie finden Sie <a href="http://vmg-steiermark.at/sites/maennerberatung.mur.at/files/forschungdownloads/zusammenfassung_rolle_maenner_gleichstellung.pdf">hier</a>)</p>
<p>Die Frage muss also richtigerweise lauten: Welche Burschen (und Mädchen) haben Schwierigkeiten? Am ehesten sind es junge Männer aus bildungsfernen Familien, die wenig Ermutigung zur schulischen Bildung erhalten sowie Burschen mit Rassismus-Erfahrungen. Darüber hinaus ist es nicht ausreichend, Benachteiligungen nur anhand des unterschiedlichen Erwerbs von formellen Schulabschlüssen zu bestimmen. Mädchen gelingt es nach wie vor nicht, ihre scheinbar besseren Voraussetzungen in Form von Bildungstiteln in entsprechende berufliche Karrieren umzusetzen. Geringe Investitionen oder Erträge mancher Burschen in Bezug auf kulturelles Kapital können durch informelle Bildung oder den Erwerb von sozialem Kapital, z. B. Beziehungen und Netzwerke, ausgeglichen werden.</p>
<p><strong>Brauchen Burschen männliche Vorbilder in Schulen und Kindergärten?</strong></p>
<p>Burschen brauchen Pädagog_innen, die einen reflexiven Umgang mit Geschlechterfragen zeigen, binäre Geschlechterzuschreibungen aufbrechen und Burschen solidarisch-kritisch dabei begleiten, widersprüchliche Anforderungen zu bewältigen. Qualitative Analysen belegen, dass Buben/Burschen in der Schule vor der Anforderung stehen, sowohl Schüler als auch männlich zu sein. Das heißt: Die Orientierung an bestimmten Männlichkeitsvorstellungen und der männlichen Peer-Group geraten in einen Konflikt mit schulischen Regeln und Lernanforderungen. Diesen Widerspruch löst ein Teil der Burschen in Richtung der Geschlechterinszenierung und auf Kosten des schulischen Lernens auf. Es geht darum, geschlechtliche Vielfalt für den einzelnen Burschen lebbar zu machen und nicht, ihn gemäß eines bestimmten Vorbildes zu formen – sei es nun traditionell oder vermeintlich progressiv.</p>
<p><strong>Dass an Volks- und Hauptschulen in Österreich überwiegend Frauen* unterrichten, ist kein neues Phänomen. Warum werden die angeblich fehlenden Vorbilder derzeit so heftig diskutiert?</strong></p>
<p>Ich denke, es hat mit den sich wandelnden gesellschaftlichen Verhältnissen zu tun. Die Lebenswelten junger Menschen sind vielfältig, komplex und von multiplen sozialen Zugehörigkeiten gekennzeichnet. Diese pluralisierten Lebenslagen treffen auf Bildungsinstitutionen, die im Kern immer noch auf das Herstellen von Homogenität bzw. Vereinheitlichung ausgerichtet sind. Das führt zu Überforderungen. Der Impuls, dass sich Vielfalt auch in der Institution, im Team abbilden sollte, ist grundsätzlich ein richtiger. Aber der Fokus auf männliche Vorbilder ist ein verengter. Nicht der geringe Männeranteil an Bildungsinstitutionen ist das Problem, sondern die mangelnde Repräsentation der Vielfalt an Geschlechtern, Sexualitäten, Migrationsgeschichten, kulturellen Zugehörigkeiten, Körpern etc. unter den Pädagog_innen sowie das mangelnde Vorleben fairer Arbeitsteilung.</p>
<p><strong>Du arbeitest unter anderem in der kritischen Burschenarbeit. Was kann mensch sich darunter vorstellen?</strong></p>
<p>Ich besuche Schulen oder Jugendzentren und arbeite gemeinsam mit den Burschen an Themen, die für sie von Interesse sind: Geschlecht, Sexualität, Gewalt, Arbeit/Beruf etc. Die für die jeweilige Gruppe relevanten Themen werden im Vorfeld der Workshops mittels Fragebögen erhoben. Ziel kritischer Burschenarbeit ist es, (geschlechtliche) Vielfalt für den jeweiligen Burschen lebbar zu machen. Dazu genügt es nicht, an den Gefühlswahrnehmungen und Verhaltensweisen einzelner zu arbeiten. Ich interessiere mich für die Geschichten der Jugendlichen und lade sie zu Erzählungen ein. Ihre Biografien sind wie Schnittstellen gesellschaftlicher Differenzierungen und Hierarchien, die wiederum viele betreffen: Erfahrungen von struktureller Gewalt, Rassismus, Homophobie, soziale Ausgrenzung etc. Anhand des Sprechens über die Lebensrealitäten der Teilnehmenden werden gesellschaftliche Hierarchien beleuchtet und soziale Ein- und Ausschlussprozesse – auch in der Gruppe/Klasse – zum Thema gemacht.</p>
<p><strong>Kampagnen wie &#8220;Pink stinks&#8221; wehren sich gegen &#8220;Produkte, Werbeinhalte und Marketingstrategien, die Mädchen eine limitierende Geschlechterrolle zuweisen&#8221; &#8211; warum gibt es keine Aktionen, die sich gegen Spielzeugwaffen und Action-Figuren als &#8220;Buben-Spielzeug&#8221; wenden?</strong></p>
<p>Antje Schrupp hat dies in einem Blogbeitrag zum pinken Mädchen-Überraschungs-Ei treffend beschrieben: Mädchen und Frauen können sich mittlerweile von limitierenden geschlechtlichen Zuschreibungen emanzipieren, ohne dadurch ihre Weiblichkeit aufs Spiel zu setzen. Für Burschen und Männer ist das Überschreiten geschlechtlicher Grenzen schwieriger: Es gibt unter Männern noch keine Kultur dafür, wie sie ihre Männlichkeit behalten können, ohne sich von allem als “weiblich” Identifizierten abgrenzen zu müssen. Hier wird der enge Zusammenhang zwischen Homophobie, Männlichkeitsdruck und Weiblichkeitsabwehr in der Konstitution von Männlichkeit deutlich. Für mich ein Grund mehr, geschlechterpolitische Strategien zu forcieren, die Mädchen-/Frauenförderung, Gendermainstreaming und Allianzen mit gleichstellungsorientierten Burschen-/Männerprojekten einschließen, ohne das eine gegen das andere auszuspielen.</p>
<p><a href="http://www.denkwerkstattblog.net/wp-content/uploads/2013/04/pic-maeb-aktuell.jpg"><img class="alignnone  wp-image-6071" alt="pic maeb aktuell" src="http://www.denkwerkstattblog.net/wp-content/uploads/2013/04/pic-maeb-aktuell-685x1024.jpg" width="370" height="553" /></a></p>
<p><strong>Mag.(FH) Michael M. KURZMANN</strong></p>
<p>Sozialarbeiter, Psychoanalytiker i.A.u.S. (APLG). Seit 2006 Mitarbeiter des Vereins für Männer- und Geschlechterthemen Steiermark – aktuelle Arbeitsbereiche: Burschenarbeit, Casemanagement in der Gewaltarbeit, Projekt „Männer und Migration“. Mitglied der GenderWerkstätte. Lehrbeauftragter am Zentrum für Soziale Kompetenz der Karl-Franzens-Universität Graz. Mitarbeiter der Familien- und Sexualberatungsstelle Courage Graz. Psychotherapie/Psychoanalyse in freier Praxis.</p>
<p><strong>Links:</strong></p>
<p><a href="http://vmg-steiermark.at/">Verein für Männer- und Geschlechterthemen Steiermark</a></p>
<p>Fortbildungsreihe „<a href="http://vmg-steiermark.at/empfehlung/jungen-als-bildungsverlierer">Jungen als Bildungsverlierer</a>? Kritische Analysen und Folgerungen für eine geschlechterreflektierende Pädagogik“</p>
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		<title>Dirty Dancing</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Oct 2012 13:19:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>brigittethe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Doing Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Popkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Sexualitäten]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Dirty Dancing&#8221; feiert seinen 25. Geburtstag. Habt ihr euch schon einmal gefragt, was der Film mit Feminismus zu tun hat? Als ich mir den Klassiker mit 14 das erste Mal angesehen habe, habe ich mir diese Frage nicht gestellt. Aber irgendwie hatte ich schon immer das Gefühl, dass da etwas anders ist und &#8220;Dirty Dancing&#8221; [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Dirty Dancing&#8221; feiert seinen 25. Geburtstag. Habt ihr euch schon einmal gefragt, was der Film mit Feminismus zu tun hat? Als ich mir den Klassiker mit 14 das erste Mal angesehen habe, habe ich mir diese Frage nicht gestellt. Aber irgendwie hatte ich schon immer das Gefühl, dass da etwas <em>anders</em> ist und &#8220;Dirty Dancing&#8221; sich von den üblichen Hetero-Hollywood-Schnulzen abhebt.</p>
<p><a href="http://fm4.orf.at/stories/1706401/">Pia Reisinger</a> (FM4) und <a href="http://tv.tele.at/artikel/2790/when-everybody-called-me-baby-and-it-didnt-occur-to-me-to-mind.html">Julia Pühringer</a> (Tele) haben den Film analysiert und erklären, warum &#8220;Dirty Dancing&#8221; nicht nur ein öder Tanzfilm ist. &#8220;Dirty Dancing ist ein Glücksfall für eine ganze Generation von jungen Frauen, sage ich&#8221;, schreibt Julia Pühringer. Was meint ihr?</p>
<p><iframe src="http://www.youtube.com/embed/oxCDAs3kbAU" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
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		<title>Schmerzensangelegenheiten</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Aug 2012 22:42:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>brigittethe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Doing Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Sexismus]]></category>
		<category><![CDATA[Gastbeitrag]]></category>

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		<description><![CDATA[Gastbeitrag von Beora Gogulka und Andrea Hrastnik, Studentinnen an der Uni Klagenfurt Anfang des Jahres wühlte der Artikel „Schmerzensmänner“ im Feuilleton der „Zeit“ den Diskurs um die Definition von Männlichkeit und Weiblichkeit erneut auf. Die Journalistin Nina Pauer erregte so manche Gemüter, indem sie behauptete, dass sich Männer der Gegenwart in einer „Identitätskrise“ befinden und [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Gastbeitrag von Beora Gogulka und Andrea Hrastnik, Studentinnen an der Uni Klagenfurt</em></p>
<p>Anfang des Jahres wühlte der Artikel „Schmerzensmänner“ im Feuilleton der „Zeit“ den Diskurs um die Definition von Männlichkeit und Weiblichkeit erneut auf. Die Journalistin Nina Pauer erregte so manche Gemüter, indem sie behauptete, dass sich Männer der Gegenwart in einer „Identitätskrise“ befinden und zu melancholischen, hyperreflektierten, ratlosen „Schmerzensmännern“ verkommen sind.</p>
<p>Der „neue Mann“ sei laut Pauer „falsch abgebogen“ und habe seine „Rolle verloren“. Sie beklagt, dass sein ‚verkopftes Verhalten‘ es fast zu einer Unmöglichkeit macht, sich von ihm angezogen zu fühlen. Er sei zu verweichlicht, unsicher, wisse nicht mehr, wie und wann man(n) eine Frau erobern muss. Christoph Scheuermann erklärt auf „Spiegel-Online“, Frauen seien an dieser vermeintlichen Misere „selber schuld“. Immerhin wollten sie doch Männer, die zuhören können und sich für ihre Gefühle interessieren. Als Antwort auf die „Schmerzensmänner“ von Pauer definiert er Frauen von heute als „Optimier-Frauen“, welche „alles und jeden optimieren“ wollen. Frauen wissen nicht, was sie wollen, nur, was sie nicht wollen.</p>
<p><span id="more-5493"></span></p>
<p>BRIGITTE-Redakteurin Nikola Haaks erfreut sich daran, noch das „Vorgängermodell“ des überreflektierten Schmerzensmannes – den „Macho 2.0“ – zu haben. Dieses ‚Modell‘ mache sich zwar schon Gedanken, reflektiert jedoch, wie Pauer es beschreibt, eine Beziehung nicht „zu Tode“. Mit gefühlsbetonten Unterhaltungen und „Psychogelaber“ erreiche man beim Macho 2.0 nichts und damit müsse man sich laut Haaks einfach abfinden. Die richtige Bedienung des Modells „Macho 2.0“ sei der Schlüssel zu einer glücklichen Beziehung.</p>
<p>Was allen Ausführungen gemein ist – sie pauschalisieren, reduzieren und stereotypisieren. Es ist die Rede von „Rollen“, dem „Geschlechterspiel“ und der „Krise der Männlichkeit“. Männer und Frauen werden in Typen eingeteilt, Menschen auf wenige Eigenschaften reduziert und es werden ihnen stereotype Attribute zugeschrieben. In dieser Art definiert Stuart Hall den Begriff „stereotypisieren“ – die Reduktion auf einige wenige Charakteristika, welche zudem noch als natürlich repräsentiert werden.</p>
<p>Auffallend ist, dass individuelle Erfahrungen der jeweiligen AutorInnen verallgemeinert und nicht als eigene Erkenntnis und Meinung gekennzeichnet werden. Gleichgültig ob Pauer, Haaks oder Scheuermann – alle sprechen sie von unterschiedlichen ‚Modellen’ und geben Patentrezepte für den Umgang mit diesen, als wären Menschen Objekte, die man nur richtig händeln müsse. Sie alle gehen von einer homogenen Masse von Frauen bzw. Männern aus, wodurch die Individualität von Menschen außer Acht gelassen wird. Persönlichkeit, Verhaltensweisen, Begehren – alles wird an das biologische Geschlecht geknüpft. Diese vereinfachte, undifferenzierte Betrachtungsweise einer sehr komplexen Thematik wird der heutigen Zeit – in der immer mehr Platz für individuelle Lebensentwürfe sein sollte – nicht gerecht. Welchen Nutzen hat es, Menschen in Typen einzuteilen und sie zu charakterisieren, als gäbe es nur DIE eine Frau und DEN einen Mann und nur DIE eine Weiblichkeit und DIE eine Männlichkeit?</p>
<p>„[G]erade das Heraufbeschwören einer Krise impliziert die Vorstellung eines stabilen Konzepts männlicher Identität, das es aufrechtzuerhalten und gegen äußere Widerstände zu verteidigen gelte“, hält Brigitte Theißl in einem Artikel in „an.schläge“ unserer Meinung nach richtig fest. Pauer, Haaks und Scheuermann diskutieren in ihren Artikeln, was einen Mann zum Mann macht und postulieren damit, dass es eine richtige/normale bzw. falsche/abnormale Männlichkeit gibt. Haaks geht zum Beispiel mit Reinhard Fendrich d’accord, der 1988 den Macho besingt: „Macho Machos, bleiben in Mode, Macho Machos, sterben net aus“. Auch Pauer meint, alle Frauen wünschen sich einen starken Mann zum Anlehnen, der nicht ständig über seine Gefühle schwafelt, sondern den ersten Schritt macht, ohne darüber nachzudenken. Es werden traditionelle Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit – aktiv vs. passiv, ‚starkes Geschlecht’ vs. ‚schwaches Geschlecht’, Emotion vs. Vernunft usw. – (re)produziert.</p>
<p>Die Artikel spiegeln somit das wider, was in wissenschaftlichen Auseinandersetzungen, beispielsweise von Judith Butler, als das heteronormative System aufgedeckt wurde. Nina Degele fasst Heteronormativität zusammen als „ein binäres Geschlechtersystem, das lediglich genau zwei Geschlechter akzeptiert, und das Geschlecht mit Geschlechtsidentität, Geschlechtsrolle und sexueller Orientierung gleichsetzt“. Jene Vorstellung von Mann und Frau, Männlichkeit und Weiblichkeit und Begehren ist aber nur eine von vielen. So konstatiert auch Villa nach Butler: „Frau- bzw. Mann-Sein […] sind ‘in sich instabile Angelegenheiten‘ (Butler) […] weil sie so sehr von Ambivalenzen und Unmöglichkeiten geprägt sind, dass ihre Verwirklichung quasi scheitern muss. Dies spiegelt sich u.a. darin, dass die geschlechtliche und auch die sexuelle Existenz bzw. Identität immer wieder aufs Neue performativ hergestellt werden muss.“</p>
<p>Die AutorInnen konstruieren eine Männlichkeit – das Gegenteil vom Schmerzensmann &#8211; als die einzig wahre, überdeuten ihr Konstrukt und sprechen Männern außerhalb dieser Vorstellung das ‚Mann-Sein‘ ab. Unreflektiert und idealisierend. Darum sprechen Philipp Leeb und Emanuel Danesch vom Verein „Poika“ von MännlichkeitEN, um damit aufzuzeigen, dass es nicht EINE Männlichkeit gibt. Nun klingt es vorerst einfach: um Männer nicht auf eine Männlichkeit zu reduzieren, geht man einfach von mehreren Männlichkeitskonstruktionen aus. Das Problem dabei erklären Leeb und Danesch auf dem Fuß: „Wer sich nicht dem Diktat einer heteronormativen Chefmännlichkeit fügt, wird – und das ist systemimmanent – sofort bewusst oder unbewusst von seinen männlichen und weiblichen Kolleg_innen sanktioniert. Es handelt sich also um ein sich selbst erhaltendes System“.</p>
<p>Selbst wenn alle Menschen innerhalb dieses Systems leben und es leider häufig unvermeidbar ist Schubladen-Denken, Vorurteile und Stereotypisierungen abzulegen, ist es wünschenswert oder sogar erforderlich, ein derartiges Konstrukt, wie es die Artikel nahelegen, aufzudecken, das Denken weiter zu entwickeln und nicht krampfhaft an überholten Vorstellungen festzuhalten. Artikel wie die von Pauer und Co. bedeuten einen Stillstand wenn nicht gar einen Rückschritt für unsere Gesellschaft. Es wäre wohl ein Schritt nach vorne, nicht immerzu alt eingesessene Vorstellungen davon, wie ein Mann oder eine Frau zu sein hat, zu verstärken und immer wieder aufleben zu lassen, sondern neue Vorstellungen zuzulassen, um all jenen Menschen, die nicht in dieses normative, hegemoniale Konstrukt passen, auch Platz zu geben.</p>
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		<title>BEEF! Fleisch ist sein Gemüse?</title>
		<link>http://www.denkwerkstattblog.net/2012/07/beef-fleisch-ist-sein-gemuse/</link>
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		<pubDate>Fri, 13 Jul 2012 15:05:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>brigittethe</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
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		<description><![CDATA[Das Koch-Magazin &#8220;Beef&#8221; hat vor Kurzem von der Diestandard-Redaktion eine Zitrone verliehen bekommen. Ellen Hoppenbrouwers und Nina Kowalczyk haben sich das &#8220;Beef&#8221; ebenfalls angesehen und sich Gedanken über die Verbindung von Fleischkonsum und Männlichkeit gemacht: BEEF! Fleisch und Männer FLEISCH IST SEIN GEMÜSE? Männer haben das Kochen als Hobby entdeckt. Es ist eine produktive Tätigkeit, [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Das Koch-Magazin &#8220;<a href="http://www.beef.de/">Beef</a>&#8221; hat vor Kurzem von der Diestandard-Redaktion eine <a href="http://diestandard.at/1341526930858/So-maennlich-koennen-Sie-kochen">Zitrone</a> verliehen bekommen. Ellen Hoppenbrouwers und Nina Kowalczyk haben sich das &#8220;Beef&#8221; ebenfalls angesehen und sich Gedanken über die Verbindung von Fleischkonsum und Männlichkeit gemacht:</p>
<p><strong>BEEF! Fleisch und Männer</strong></p>
<p>FLEISCH IST SEIN GEMÜSE?</p>
<p>Männer haben das Kochen als Hobby entdeckt. Es ist eine produktive Tätigkeit, die zufrieden und satt macht. Doch wie holt man das Kochen aus dem „Fraueneck“? Zuerst eroberten die Männer das Grillen, das bis heute eine typische Männerdomäne zu sein scheint. Die Verbindung von rohem Fleisch, Feuer und (potenzieller) Gefahr stützt das archaische Bild des Steinzeit-Jägers. Durch die Technik hat sich für Männer der Fokus beim Kochen verschoben und die Attraktivität der Lebensmittelzubereitung gesteigert. Kochen wird hier nicht als Alltagsbeschäftigung, sondern als Event verstanden. Dabei ist Fleisch das Herzstück von Männlichkeit in der Küche. Der technische und handwerkliche Aspekt wird konstruiert durch Feuer, Männlichkeit und Gefährlichkeit. Es geht darum, ein „erlegtes“ Tier formvollendet zuzubereiten.</p>
<p><span id="more-5456"></span></p>
<p>Der Grillmeister steht in der Gunst der männlichen und weiblichen Freunde ganz oben. Für die im BEEF!-Heft dargestellte hegemoniale Männlichkeit braucht „Mann“ jedoch ein dickes Geldbörserl, da das technische Equipment auch als Design- oder Lifestyleobjekt mit deftigen Preisen zu Buche schlägt. Auch die modernen Erkenntnisse, dass Fleisch lieber in Maßen konsumiert werden sollte und die Qualität für den Nährwert ganz entscheidend ist, werden in den Wind geschlagen. Der Mann als Erbe seiner Steinzeit-Herkunft muss Fleisch essen, am besten in rauen Mengen. Speziell rotes Fleisch gilt als besonders männlich, vor allem in blutigem Zustand. Die Sprache, mit der sich das Magazin an seine Leser wendet, ist technisch orientiert, aber auch literarische oder erzählende Stile finden sich in den Reportagen. Um eine spannende und lebhafte Story zu erzählen, sind viele Sätze ausgeschmückt, Tatsachen werden bildlich dargestellt. Mit Metaphern kommen besonders berührende Aspekte zur Geltung, etwa wenn Handwerk oder Traditionen dargestellt werden.</p>
<p>Der Grundtenor ist die Suche nach dem Ehrlichen, dem Authentischen. Frauendarstellungen finden sich kaum, wenn überhaupt, dann als marginalisierte Nutznießerin der männlichen Kochkunst oder als schmückendes Beiwerk. Auch weiblich konnotierte Gerichte wie Salate oder Süßspeisen sind in der Minderheit, bei der Berichterstattung geht es um technische Aspekte und Spielereien, etwa den Bunsenbrenner, den man zum Karamellisieren der Créme Brulée benötigt. Die technischen Details werden wie in Automagazinen präsentiert, selbst die Wirtschaft hat sich auf diese neuen Bedürfnisse eingestellt: Porsche bietet auch Designküchen an. Fleisch wird weltweit als Statussymbol wahrgenommen. Je mehr Fleisch, desto reicher die betreffende Gesellschaft. Noch nie aßen Menschen so viel und vor allem so regelmäßig</p>
<p>Fleisch. Doch worin besteht nun diese beschworene Beziehung zwischen Mann und Fleisch? Nan Mellinger schreibt in ihrem spannenden Artikel für EMMA, dass Frauen in der Umgangssprache traditionell als „Fleisch“ bezeichnet wurden. Auch in Zuschreibungen von Weiblichkeit bestehe dieser Zusammenhang: Frauen würden „geritten, gezähmt und als ,Freiwildʻ oder ,Frischfleischʻ gejagt“. Auch Carol J. Adams stellt diese patriarchale Verbindung von Jagd und Unterdrückung her. So seien etwa auch die Vermählung und die damit verbundenen Riten Akte der Zähmung, nicht umsonst lässt sich das englische Wort für Bräutigam („groom“) mit „Stallknecht“ übersetzen. Indem sie noch weiter zu den Anfängen der Zivilisation zurückgeht, zeigt sie, dass diese Ideologien ihren Ursprung im Überlebenskampf der Menschen haben, im Trauma des „Gefressenwerdens“. Doch auch Frauen nahmen damals an der Jagd teil, deshalb finden sich auch Darstellungen von Jägerinnen in Höhlenmalereien.</p>
<p>Ein weiteres Indiz sind auch weibliche Götter der Jagd wie Artemis oder die sumerische Göttin Ninhursaga. Der Mythos vom Mann als Jäger entstand laut Mellinger wohl am Ende der Altsteinzeit, als die Tierbestände zurückgingen. Damit ging auch eine neue Arbeitsteilung einher, mit der sich auch die Götterbilder wandelten: hin zu „friedliebenden Göttinnen des Ackerbaus“. Dadurch wandelte sich das Bild hin zum „Fleisch fressenden Mann und der Körner kauenden Frau“. Darin wurzeln auch die Ideologien und Mythen, die „BEEF!“ zu einem „Männerkochheft“ machen. Pierre Bourdieu umschreibt diese Beziehung so: „Fleisch, die nahrhafte Kost schlechthin, kräftig und Kraft, Stärke, Gesundheit, Blut schenkend, ist das Geschlecht der Männer, die zweimal zugreifen, während die Frauen sich mit einem Stückchen begnügen.“ Man kann diese hierarchische Beziehung von Geschlecht und Fleischkonsum auch zugespitzer auf den Punkt bringen, etwa mit den Worten von Nan Mellinger: „Die Frau isst kein Fleisch. Sie ist Fleisch – und damit Nahrung für den Mann.“</p>
<p><em> Ellen Hoppenbrouwers und Nina Kowalczyk studieren an der Universität Klagenfurt</em></p>
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		<item>
		<title>Mein Körper, mein Problem</title>
		<link>http://www.denkwerkstattblog.net/2012/06/mein-korper-mein-problem/</link>
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		<pubDate>Fri, 01 Jun 2012 12:53:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>brigittethe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Doing Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Werbung]]></category>

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		<description><![CDATA[Die &#8220;Bikini-Saison&#8221; hat &#8211; zumindest medial &#8211; begonnen. Sobald die Temperatur als sommerlich gilt, zeigen sich Frauen* nur noch in Bikini oder Badeanzug in der Öffentlichkeit, könnte mensch angesichts des Umfangs der Berichterstattung meinen. Natürlich &#8211; für die Mode- und Kosmetikindustrie und damit indirekt auch die Medien, die sich über Werbung finanzieren, ist diese wohl [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die &#8220;Bikini-Saison&#8221; hat &#8211; zumindest medial &#8211; begonnen. Sobald die Temperatur als sommerlich gilt, zeigen sich Frauen* nur noch in Bikini oder Badeanzug in der Öffentlichkeit, könnte mensch angesichts des Umfangs der Berichterstattung meinen. Natürlich &#8211; für die Mode- und Kosmetikindustrie und damit indirekt auch die Medien, die sich über Werbung finanzieren, ist diese wohl überlebenswichtig.</p>
<p>&#8220;Dabei leben wir nicht in Bankok oder auf den Bermudas, sondern in Mitteleuropa. Die überwiegende Mehrheit der Frauen hat überhaupt nicht die Gelegenheit dazu, sich einfach mal eben schnell die Kleider vom Leib zu reißen, in einen Bikini zu schlüpfen und zum Strand runter zu gehen. (..) Insgesamt kann eine Frau, wenn überhaupt, nur äußert wenig Zeit im Bikini zubringen. Wozu also der Aufwand?&#8221;, schreibt <a href="http://www.freitag.de/alltag/1029-die-bikini-ideologie">Laurie Penny</a>.</p>
<p>Die &#8220;Bikini-Figur&#8221; hat sich aber als Bezugspunkt durchgesetzt, sie ist zum &#8220;kulturellen Kürzel für einen moralischen Standard weiblicher Perfektion&#8221; geworden. Dass Bademode einfach <em>praktisch</em> sein könnte oder die Gelegenheit bietet, sich die Sonne auf die (nackte) Haut scheinen zu lassen, ist längst vergessen. Die &#8220;Bikini-Figur&#8221; ist da, um von anderen betrachtet und beurteilt zu werden, mediale Bilder präsentieren uns dabei normierte Körper. Wenn einzelne  Unternehmen dazu übergehen, <em>nicht</em> &#8220;perfekte&#8221; Frauen* zu zeigen, so werden dieses stets in Bezug zur Norm gesetzt &#8211; und das geschieht niemals kommentarlos. Die markierten <em>anderen</em> Körper werden als (trotzdem) &#8220;zeigbar&#8221; präsentiert und abermals in Kategorien eingeteilt.</p>
<p>Verschiebt sich wirklich etwas, wenn Unilever uns im Rahmen der Dove-Kampagne die angebliche Frau von nebenan zeigt, während in den Axe-Werbungen (die Wirtschaft beweist ihre Flexibilität) ein gänzlich anderes Frauenbild zu finden ist? Oder wenn Model-Agenturen gesundheitsgefährdende BMI aus ihren Katalogen verbannen?</p>
<p>&#8220;Der eigene Körper ist für viele Menschen ein Quell des Unbehagens, vor allem in der Bademodenzeit &#8211; Muss das sein?&#8221; wird aktuell auf der<a href="http://derstandard.at/1336698324469/Schlank-mollig-gross-klein-Die-Vermessung-des-Koerpers">standard.at</a> gefragt. Auch wenn die <a href="http://derstandard.at/1336698377690/Was-heisst-schon-ideal-Fuenf-Frauen-fuenf-Bikinis">Foto-Strecke</a>  Körper-Ideale zum Thema macht, so reiht sie sich doch in dieselbe Logik ein: Der Köper von Frauen* ist eine Problemzone. Fünf Frauen wurden befragt, &#8220;wie sie mit den herrschenden Körperbildern umgehen&#8221;. Diese Fragen dürfen sie beantworten, während sie in Bademode abgelichtet werden. &#8220;Wie wichtig ist Ihnen der Blick der anderen?&#8221;, wird da noch nachgehakt.</p>
<p>Und genau das ist das Problem. &#8220;The truth is, the &#8216;bikini body&#8217; craze goes so much deeper than fatism or fatphobia. It is part of our society&#8217;s relentless insistence that a woman&#8217;s body is not her own. It is an object, to be gazed upon, to be commented on, to be pored over with a magnifying glass. It&#8217;s as though we believe that a woman wears a bikini not for herself, because it feels good to have the sun on her skin, but for the public to consume her anatomy&#8221;, ist dazu auf <a href="http://jezebel.com/5805847/there-is-no-such-thing-as-a-bikini-body">jezebel.com</a> zu lesen.</p>
<p>Denise Kotlett liefert übrigens eine sehr gute Antwort auf die Frage: &#8220;Gibt es für Sie einen idealen Körper?&#8221; in der Standard-Serie:  &#8221;Ich finde das eine doofe Frage, ich kann einen Körper nicht von einer Person trennen. Aber natürlich gibt es Personen, die ich begehre.&#8221;</p>
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		<title>Alles Gute zum Muttertag</title>
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		<pubDate>Mon, 14 May 2012 13:37:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>brigittethe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Doing Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Muttertag ist ähnlich wie Weihnachten ein Fixpunkt für die Medien, schließlich lässt sich das Thema gut emotionalisieren (bzw. moralisieren!) und auch verkaufen: Werbeanzeigen für Parfüm, Pralinen und Schmuck sind da stets inbegriffen. Auch 2012 warteten die österreichischen Medien wieder mit einigen Kuriositäten auf, hier ein kleiner Überblick: &#8220;So bringen sich Topmodel-Mamis in Schuss&#8221; &#8211; [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der Muttertag ist ähnlich wie Weihnachten ein Fixpunkt für die Medien, schließlich lässt sich das Thema gut emotionalisieren (bzw. moralisieren!) und auch verkaufen: Werbeanzeigen für Parfüm, Pralinen und Schmuck sind da stets inbegriffen.</p>
<p>Auch 2012 warteten die österreichischen Medien wieder mit einigen Kuriositäten auf, hier ein kleiner Überblick:</p>
<p>&#8220;So bringen sich Topmodel-Mamis in Schuss&#8221; &#8211; der &#8220;<a href="http://kurier.at/freizeit/leute/4494219-so-bringen-sich-topmodel-mamis-in-schuss.php">Kurier</a>&#8221; weiß, was Frauen* interessiert. Auch unter dem Titel &#8220;<a href="http://kurier.at/nachrichten/niederoesterreich/314800-wohin-mit-der-mama-an-ihrem-ehrentag.php">Wohin mit der Mama an ihrem Ehrentag</a>&#8221; fanden sich interessante Tipps: Der Zoo in Salzburg bot etwa eine Sonderführung &#8220;Mutterliebe im Tierreich&#8221; an. (Überhaupt scheint es einen Redaktionskodex zu geben, der Wörter wie &#8220;Muttis&#8221;, &#8220;Mami&#8221; und Co statt &#8220;Mutter&#8221; vorschreibt)</p>
<p>In der &#8220;Kleinen Zeitung&#8221; versuchte mensch, in einem Interview mit einem Kinderpsychiater möglichst alle bestehenden Mütterlichkeits-Mythen unterzubringen: &#8220;<a href="http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/chronik/muttertag/3017382/warum-perfekte-mutter-nicht-perfekt.story">Warum eine perfekte Mutter nicht perfekt ist</a>&#8220;. In &#8220;<a href="http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/chronik/muttertag/2738036/vier-frauen-gluecksfall.story">Vier Frauen und ihr Glücksfall</a>&#8221; wurde dann von den Freuden des Mutterseins erzählt: &#8220;Als Bruno auf die Welt kam, war mein erster Gedanke, ihn abzuschlecken &#8211; eine rein instinktive Geschichte. Für mich ist Muttersein die totale Symbiose mit meinem Kind, ich bin immer für Bruno da. Er ist meine erste Liebe, das ist ganz intensiv und war auch schon so, als er noch in meinem Bauch war.&#8221;</p>
<p><span id="more-5195"></span></p>
<p>Rund um den Muttertag wurde auch die Still-Geschichte wieder herausgekramt. Das <a href="http://orf.at/stories/2119850/2119854/">&#8220;Time&#8221;-Magazin</a> setzte mit seinem Coverfoto einer Frau, die einen Dreijährigen stillt, dank Schock-Effekt auf gute Verkaufszahlen. Das Thema Stillen bietet sich immer für Moral-Debatten und Aufreger an: Das Foto einer nackten Brust &#8211; wenn sie beim Stillen gezeigt wird &#8211; schockiert auch 2012 noch ungemein. (Siehe auch: &#8220;<a href="http://malmoe.org/artikel/funktionieren/2150">Mein Busen gehört mir</a>&#8221; und &#8220;<a href="http://fuckermothers.wordpress.com/2011/08/18/stillende-pornokunstlerinnen/">Stillende Pornokünstlerinnen</a>&#8220;)</p>
<p>Die Tageszeitung &#8220;Die Presse&#8221; stellte Grünen-Chefin Eva Glawischnig in einem <a href="http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/757447/Glawischnig_Rechtsanspruch-auf-Kindergartenplatz?_vl_backlink=/home/politik/innenpolitik/index.do">Interview</a> folgende Frage zum Muttertag: &#8220;Der Muttertag war und ist bei Linken und Feministinnen verpönt. Sehen Sie das entspannter, weil Sie Kinder haben?&#8221; (Muss ich dazu noch etwas sagen?)</p>
<p>&#8220;<a href="http://tvthek.orf.at/programs/70017-Niederoesterreich-heute">Niederösterreich heute</a>&#8221; präsentierte in einem Beitrag die typische österreichische Alleinerzieherin: Sie hat selbst drei Kinder und zusätzlich drei Pflegekinder aufgenommen. Abends sei sie zwar müde, aber überglücklich. Im dazugehörigen Bericht durften Kinder das allseits beliebte Muttertagsgedicht aufsagen, in dem wir fürs Kochen und Putzen &#8220;Danke&#8221; sagen.</p>
<p>&#8220;365 Tage im Jahr sind Mütter für ihre Familien da. Seinerzeit war allerdings rein der Vater fürs Geldverdienen zuständig, die Mutter für Haushalt und Kinder. Heute ist ein Großteil der Mütter berufstätig und versucht, Familie und Beruf so gut es geht unter einen Hut zu bringen&#8221;, erzählte uns die Moderatorin von &#8220;<a href="http://tvthek.orf.at/programs/70022-Kaernten-heute">Kärnten heute</a>&#8220; und präsentierte dann eine Frau, die auch trotz 25-Stunden-Job versucht, eine gute Mutter zu sein. (Fast schon erfrischend wirkt da im Gegensatz dazu der Beitrag von &#8220;<a href="http://tvthek.orf.at/programs/70016-Oberoesterreich-heute">Oberösterreich heute</a>&#8220;)</p>
<p><a href="http://www.denkwerkstattblog.net/wp-content/uploads/2012/05/Screen-Shot-2012-05-14-at-14.31.55.png"><img class="alignnone size-full wp-image-5210" title="Screen Shot 2012-05-14 at 14.31.55" src="http://www.denkwerkstattblog.net/wp-content/uploads/2012/05/Screen-Shot-2012-05-14-at-14.31.55.png" alt="" width="552" height="309" /><br />
</a><em>Diskussionsrunde bei &#8220;Im Zentrum&#8221;</em></p>
<p>Für das Highlight des Tages sorgte aber &#8220;<a href="http://tvthek.orf.at/programs/1279-Im-Zentrum">Im Zentrum</a>&#8220;. &#8220;Karrierefrauen gegen Superglucken &#8211; Wer sind die besseren Mütter?&#8221;, wurde da gefragt. Allein schon, dass der Begriff &#8220;Karrierefrau&#8221; im Jahr 2012 noch immer für eine berufstätige Frau herhalten muss, erstaunt ein wenig. Und diese &#8220;Karrierefrau&#8221; ist selbstverständlich der Gegenpart zu einer &#8220;Superglucke&#8221;, die die Kleinsten womöglich mit Mutterliebe erdrückt. In die (feminismusfreie) Sendung wurden von der Redaktion schließlich Diskutantinnen eingeladen, mit denen sich die österreichische &#8220;Durchschnittsmutter&#8221; (an die sich die Sendung bestimmt richten sollte) indentifizieren konnte: etwa die <a href="http://derstandard.at/1267743500835/Zitatesammlung-Rosenkranz-und-der-Rechtsextremismus">Rechtsaußen-Politikerin</a> Barbara Rosenkranz (die sich bei diesem Thema gerne gemäßigt gibt) und die &#8220;Ohne Worte&#8221;-Autorin Eva Herman (allesamt Top-Verdienerinnen).</p>
<p>Die Diskussion driftete relativ bald ins Absurde ab, sodass Barbara Rosenkranz in der Runde fast schon progressiv wirkte. Als wahre Expertin für soziale Ungleichheit erwies sich Eva Dichand, die unter anderem mit folgendem Zitat glänzte: &#8220;Aber ich finde schon, mit den Sozialleistungen, die wir haben kannst du an und für sich schon zuhause bleiben. (&#8230;) dann kann ich mir halt kein Designerkleid kaufen um 200 Euro.&#8221; Und weiter: &#8220;Will ich jetzt mit vierzig der Superstar sein und vielleicht Oberarzt oder was weiß ich was oder was weiß ich, die Filiale von Billa leiten, um es jetzt irgendwie in verschiedenen Schichten zu sagen.&#8221;</p>
<p>Dazwischen wurde viel über Baby-Yoga diskutiert und Eva Herman versuchte wieder einmal, ihre Pseudo-Studien unterzubringen, die beweisen würden, dass das Kind zur Mutter gehört und die Tagesstätte krank macht. &#8220;Weil Rabenmütter sind eigentlich die Mütter, die ihre Kinder eher vernachlässigen in Anführung und arbeiten gehen und die Kinder weggeben. Das sind die Rabenmütter. (&#8230;) Die Mutter, die zuhause ist, kocht das Mörchen klein und püriert es für das Kind und macht es gerne.&#8221;</p>
<p>ÖGB-Vizepräsidentin Sabine Oberhauser, die wohl die einzige Diskutantin mit Realitätsbezug in der Runde darstellen sollte, blieb leider recht blass und konnte die Diskussion nicht wirklich in eine andere Richtung lenken. Wieder einmal völlig falsch wurde zwischendurch der &#8220;Jugendmonitor&#8221; präsentiert, demzufolge junge Frauen am liebsten Haufrauen wären. In der Umfrage gaben aber auch 34 Prozent der Männer an, gerne die Rolle des Hausmanns übernehmen zu wollen. Verglichen mit realen Daten lassen diese Aussagen sehr viel Spielraum für <a href="http://diestandard.at/1304552624203/Jugendmonitor-Studie-Junge-Generation-nach-dem-Geschmack-der-OeVP">Interpretationen</a>.</p>
<p>Für politisch brisante Fragen (Armutsgefährdung von Alleinerzieherinnen, Verteilung von unbezahlter Arbeit, Care Work von Migrationen&#8230;) gab es bei &#8220;Im Zentrum&#8221; keinen Platz, dafür fragte Ingrid Thurnher am Schluss die berufstätigen Mütter, ob es ihnen denn an emotionaler Bindung zum Kind mangle. Erleichtert konnten wir aufatmen: Alle Diskutantinnen versicherten, ihre Kinder zu lieben.</p>
<p>Viel mehr Expertise zum Thema Muttersein findet ihr unter anderem bei den &#8220;<a href="http://fuckermothers.wordpress.com/">Fuckermothers</a>&#8221; und &#8220;<a href="http://feministmum.wordpress.com/">Feminist Mum</a>&#8220;. Muttertagsaktion der 20000frauen: <a href="http://diestandard.at/1304551190134/Feministische-Aktion-Strukturdebatte-mit-Herz-statt-Muttertagskommerz">Bericht</a> auf diestandard.at</p>
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		<title>&#8220;Disorders of Sex Development&#8221;</title>
		<link>http://www.denkwerkstattblog.net/2012/04/disorders-of-sex-development/</link>
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		<pubDate>Tue, 10 Apr 2012 10:39:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>brigittethe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Doing Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftskommunikation]]></category>

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		<description><![CDATA[Heteronormativität ist auch in medizinischen Diskursen von Bedeutung. Bettina Enzenhofer hat sich in ihrer Masterarbeit (Gender Studies) mit dem Chicagoer &#8220;Consensus-Statement&#8221; auseinandergesetzt, das eine medizinische Leitlinie zur &#8220;Behandlung&#8221; von intersexuellen Menschen darstellt (die gesamte Arbeit könnt ihr hier lesen): Was ist das Thema deiner Arbeit? Der Titel meiner Masterarbeit ist „Die Verhandlung von Geschlecht in gegenwärtigen medizinischen [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Heteronormativität</em> ist auch in medizinischen Diskursen von Bedeutung. Bettina Enzenhofer hat sich in ihrer Masterarbeit (Gender Studies) mit dem Chicagoer &#8220;Consensus-Statement&#8221; auseinandergesetzt, das eine medizinische Leitlinie zur &#8220;Behandlung&#8221; von intersexuellen Menschen darstellt (die gesamte Arbeit könnt ihr <a href="http://www.oeh.univie.ac.at/fileadmin/FilesQUEERFEM/MA_Enzenhofer.pdf">hier</a> lesen):</p>
<p><strong>Was ist das Thema deiner Arbeit?</strong></p>
<p>Der Titel meiner Masterarbeit ist „Die Verhandlung von Geschlecht in gegenwärtigen medizinischen Veröffentlichungen zu ‚Disorders of Sex Development‘ bei Neugeborenen. Das Chicagoer Consensus-Statement und seine Folgen“ – da steckt eigentlich alles drin.</p>
<p>Das Consensus-Statement von Chicago wurde 2006 veröffentlicht, es ist eine medizinische Leitlinie zur „Behandlung“ von intersexuellen Menschen (d.h. Menschen, denen vor dem Hintergrund eines Zweigeschlechtermodells kein eindeutiges Geschlecht zugewiesen werden kann). Die Leitlinie ist aus vielen Gründen interessant: Bspw. wird in ihr vorgeschlagen, nicht mehr von „Hermaphroditismus“, „Intersexualität“ oder „Geschlechtsumkehr“ zu sprechen, sondern von „Disorders of Sex Development“ („DSD“), d.h. „Störungen der Geschlechtsentwicklung“. Diese werden definiert als „angeborene Erkrankungen, bei denen die Entwicklung des chromosomalen, gonadalen oder anatomischen Geschlechts atypisch ist“.</p>
<p><span id="more-5080"></span></p>
<p>Die Konsequenz ist, dass unter DSD nicht mehr „nur“ Menschen gefasst werden, deren Geschlecht bei der Geburt nicht zuordenbar ist, sondern nun alle „Störungen“ (ich bevorzuge: „Variationen“) der Geschlechtsentwicklung miteingeschlossen werden. Das bedeutet z.B., dass nun auch eine Hypospadie als „DSD“ bezeichnet wird – Mediziner_innen sprechen dann von einer Hypospadie, wenn die Harnröhre nicht an der Penisspitze, sondern unterhalb mündet (im Gegensatz zu früher: da galt eine Hypospadie nicht als Intersex-Phänomen).</p>
<p>DSD werden außerdem in dieser Leitlinie neu klassifiziert (nicht mehr nach der Ausprägung von Hoden/Eierstöcken, sondern nach den sog. Geschlechtschromosomen). Außerdem werden in dieser neuen Leitlinie erstmals seit Money et al. die „Behandlungs“empfehlungen umfassend und neu überarbeitet. Ebenso fällt auf, dass in der Leitlinie die psychosexuelle Entwicklung vergleichsweise differenziert gesehen wird: Gender-Identität, Gender-Rolle und die sexuelle Orientierung werden explizit erklärt. In meiner Arbeit bin ich darauf eingegangen, inwieweit diese Leitlinie im medizinischen, verschriftlichen Diskurs (also in Fachartikeln und Leitlinien) rezipiert wird, bzw. darauf, welches Geschlechtermodell hinter all den Publikationen zu Intersex/DSD steht.</p>
<p><strong>Was sind deine zentralen Fragestellungen?</strong></p>
<p>Meine Forschungsfrage lautet: Inwiefern lässt sich in medizinischen Veröffentlichungen zu „disorders of sex development“ (DSD) durch das Consensus-Statement eine Änderung des Geschlechtermodells beobachten? Zur Beantwortung habe ich mit folgenden Unterfragen gearbeitet: Wie wird in medizinischen Veröffentlichungen zu DSD auf das Consensus-Statement Bezug genommen? Haben sich – und wenn ja, wie? – in medizinischen Veröffentlichungen zu DSD seit der Publikation des Consensus-Statements die Definitionen und Vorstellungen von Geschlecht verändert? Welche Änderung des Geschlechtermodells lässt sich daraus ableiten?</p>
<p><strong>Wie bist du auf das Thema gestoßen? </strong></p>
<p>Ich wusste bis vor einigen Jahren gar nichts über Intersex, erst im Zuge der Gender Studies habe ich erstmals davon gehört. Ich hatte immer eine Leidenschaft für „Körper“-Themen, habe vor vielen Jahren auch drei Semester lang Medizin studiert. Mein persönliches Interesse traf sich dann ganz gut mit der Thematik „Intersex“ – seit ich erstmals davon gelernt hatte, habe ich, soweit das möglich war, auch meine Seminararbeiten dazu geschrieben. Dass meine Masterarbeit also „etwas mit Intersex“ zu tun haben muss, war mir von Anfang an klar. Die Frage war dann: Was will ich konkret untersuchen? In der Recherche stieß ich auf das CS und darauf, dass seit 2006 in den Gender Studies bisher niemand den aktuellen medizinischen Intersex- bzw. DSD-Diskurs umfassend untersucht hatte.</p>
<p><strong>Warum hast du Gender Studies studiert? </strong></p>
<p>Auch das war ein Zufall bzw. hat sich so ergeben. Ich habe im Rahmen meines ersten Studiums – Publizistik – am liebsten Lehrveranstaltungen zu konstruktivistischen Theorien (von denen hatte ich zuvor auch noch nie gehört, sie aber dann lieben gelernt) belegt, und dann auch aus Zufall an der Theaterwissenschaft mal ein Seminar zu Gender-Theorien. Ich erinnere mich an die erste Einheit, in der ich mit den Begriffen Sex und Gender noch gar nichts anfangen konnte. Meine Leidenschaft war dann aber schnell da, und irgendwie erfuhr ich von der geplanten Einführung des Master-Studiums Gender Studies an der Universität Wien. Ich war damals in der Diplomarbeitsphase meines Publizistik Studiums und dachte: Gender Studies interessiert mich, ich studiere das jetzt einfach mal zusätzlich und schau was passiert. Das Studium war dann so großartig und bereichernd (trotz der Schwierigkeiten, die ein neu eingeführtes Studium mit sich bringt) – weil nämlich, anders als ich das vorher gewohnt war, die Lehrenden und Studierenden ein volles Interesse für ihr eigenes Tun hatten – dass dann auch bald klar war, dass ich das abschließen will.</p>
<p><strong>Wie sieht dein methodischer Zugang aus? </strong></p>
<p>Ich habe – neben einem umfassenden theoretischen Zugang – empirisch eine qualitative Inhaltsanalyse von 15 Reviews und 3 Leitlinien gemacht. Diese habe ich nach bestimmten Kategorien ausgewertet:<br />
Rezeption des Consensus-Statements<br />
Definitionen von Geschlecht<br />
Zweigeschlechternorm<br />
Geschlechterungleichheit (hier: Androzentrismus, Bewertung weiblicher Genitalchirurgie)<br />
Heteronormativität</p>
<p><strong>Was sind die wichtigsten Ergebnisse deiner Arbeit? </strong></p>
<p>Es hat sich leider im medizinischen Intersex- bzw. DSD-Diskurs nicht viel geändert. Vor allem die Zweigeschlechternorm, Androzentrismus und Heteronormativität sind als Komponenten des Geschlechtermodells sehr stark vertreten. Eine Änderung habe ich, nichtsdestotrotz, in aktuellen Texten ausmachen können: Meiner Definition nach wird die weibliche Genitalchirurgie heute nicht mehr bagatellisiert. Dies sage ich vor folgendem Hintergrund: In früheren medizinischen Texten zu Intersex gab es oft die Formulierung, die weibliche Genitalchirurgie (das umfasst z.B. die Verkleinerung einer als zu groß erachteten Klitoris oder das Anlegen einer Vagina) wäre „technisch einfacher“ als die männliche – ungeachtet der Komplexität einer solchen Operation und der vielen Risiken, wie z.B. Verlust an sexueller Empfindsamkeit, Vernarbungen etc.</p>
<p>Im Consensus-Statement selbst findet sich auch diese Bagatellisierung, aber „immerhin“ wird hier auf die Risiken eingegangen (wobei man natürlich deshalb nicht applaudieren muss, denn es sollte selbstverständlich sein, auf Risiken hinzuweisen). In den aktuellen Texten findet sich zwar keine grundsätzliche Ablehnung von chirurgischen Eingriffen in den ersten Lebensjahren (wie dies z.B. viele Intersex-Organisationen fordern), doch äußern sich die Autor_innen dazu auch kritisch: Es werden Risiken beschrieben und darauf hingewiesen, dass die Eltern vor einer Operation gut aufgeklärt werden müssen. Ebenso solle diskutiert werden, ob man eine OP bis zur Entscheidungsreife des Kindes aufschieben könne und es wird betont, dass der funktionelle Outcome wichtiger ist als der kosmetische.</p>
<p>Der Term der „technischen Einfachheit“ wird in den von mir ausgewerteten Texten nicht verwendet. Das meine ich damit, wenn ich sage, dass die weibliche Genitalchirurgie heute nicht mehr bagatellisiert wird, und es ist mir – um nicht missverstanden zu werden – sehr wichtig, dies so explizit zu betonen. An dieser Stelle muss aber auch kritisch hinzugefügt werden: Zum einen ist unklar, inwieweit sich medizinische Texte in ihren Empfehlungen bzw. ihrem Wissen in die konkrete medizinische Praxis niederschlagen, zum anderen ist die Idee, eine als zu groß erachtete Klitoris zu verkleinern, immer kosmetisch und kulturell bedingt und steht im Widerspruch zur (mittlerweile) oft besprochenen Gewichtigkeit der sexuellen Zufriedenheit.</p>
<p>Das bisher Gesagte trifft auf zwei Leitlinien nicht zu: Eine englischsprachige Leitlinie ist als einziger Text nicht heteronormativ. Eine deutschsprachige Leitlinie wiederum steht hinter dem aktuellen Forschungsstand auf eine nicht argumentierbare Weise zurück. Die Selbstverständlichkeit, mit der in dieser Leitlinie ein chirurgischer Eingriff thematisiert wird, ist schockierend: Die weibliche Genitalchirurgie wird hier vergleichsweise sehr stark bagatellisiert, es werden weder Risiken erwähnt, noch weit vorsichtigere und einschränkendere Empfehlungen, die bspw. im CS schon Status quo waren. Auch die Möglichkeit, eine OP aufzuschieben, wird nicht thematisiert. Das hat mich sehr erstaunt, und ich kann mir nicht erklären, wie es möglich ist, eine derartige Leitlinie zu veröffentlichen.</p>
<p>Daneben gibt es weitere interessante Details: Beispielsweise sollte man glauben, dass in Texten, in denen es um Intersex/DSD geht, erklärt wird, wovon man eigentlich spricht – also z.B. was als „normal“ oder „vergrößert“ gilt, oder was konkret „Männer“ und „Frauen“ ausmacht. Das ist nicht der Fall. Man liest z.B. Begriffe wie „normal females“ – ohne weitere Erläuterung. Der Begriff „Gender“ wird – wenn überhaupt – auch definitionslos verwendet (d.h., obwohl die Autor_innen die diesbzgl. Erläuterungen des CS kennen, gehen sie nicht darauf ein). In einem Text fand ich z.B. auch die Formulierung „behavioural sex“ – eine „interessante“ Wortschöpfung.</p>
<p>Interessant ist auch: Manchmal wird auf die Entwicklung des biologischen Geschlechts eingegangen oder es werden zumindest einzelne Komponenten von Sex erwähnt. Mir ist dabei aufgefallen, dass die männlichen Geschlechtsorgane vergleichsweise differenziert aufgelistet werden (inkl. Prostata, Samenblase, Samenleiter, Eichel etc.), bei den weiblichen aber nie die Klitoris oder die inneren Schamlippen erwähnt werden. In Einzelfällen bin ich auch auf veraltete Theorien gestoßen (in aktuellen Texten!), bspw. die Theorie, dass sich ein weiblicher Embryo „standardmäßig“ (d.h. ohne weitere Faktoren) entwickeln würde, wohingegen für die männliche Entwicklung bestimmte Faktoren notwendig seien. Das wurde schon längst widerlegt!</p>
<p>Ich konnte außerdem auch div. medizininterne Diskussionen herausarbeiten, d.h. Mediziner_innen sind sich gar nicht so einig – was in der konkreten „Behandlung“ von intersexuellen Neugeborenen ein relevantes Detail ist. V.a. hat mich dabei erstaunt, dass die Einschätzungen zum Tumorrisiko (→ manche Keimdrüsen können entarten und werden mit dieser Begründung operativ entfernt) zwischen den Autor_innen unterschiedlich ausfallen.</p>
<p><strong>Über die Autorin:</strong><br />
1981 in OÖ geboren, seit 1999 in Wien. Arbeitet seit einigen Jahren als Puppenspielerin im Figurentheater Lilarum sowie als an.schläge-Redakteurin, hat Publizistik- und Kommunikationswissenschaft und danach Gender Studies studiert.<br />
Ihre Leidenschaft gilt (Frauen-)Gesundheitsthemen.</p>
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		<title>Komponistinnen? Fehlanzeige!</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Feb 2012 13:55:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>brigittethe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Doing Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Musikwissenschafterin Nicole Waitz hat sich in ihrer Bachelorarbeit mit der Rolle der Frau in der abendländischen Musikgeschichte auseinandergesetzt. Warum Musizieren noch immer männlich ist und Komponistinnen nicht auf den Spielplänen deutscher Konzerthäuser stehen. Foto: WadeB / Flickr Was ist das Thema deiner Arbeit? Was sind deine zentralen Fragestellungen? Ich habe in meiner Arbeit die [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Musikwissenschafterin Nicole Waitz hat sich in ihrer Bachelorarbeit mit der Rolle der Frau in der abendländischen Musikgeschichte auseinandergesetzt. Warum Musizieren noch immer männlich ist und Komponistinnen nicht auf den Spielplänen deutscher Konzerthäuser stehen.</p>
<p><a href="http://www.denkwerkstattblog.net/wp-content/uploads/2012/02/trumpet.jpg"><img class="alignnone  wp-image-4679" title="trumpet" src="http://www.denkwerkstattblog.net/wp-content/uploads/2012/02/trumpet.jpg" alt="" width="553" height="358" /></a><br />
Foto: <a href="http://www.flickr.com/photos/beals/">WadeB</a> / Flickr</p>
<p><strong>Was ist das Thema deiner Arbeit? Was sind deine zentralen Fragestellungen?</strong></p>
<p>Ich habe in meiner Arbeit die Rolle der Frau in der abendländischen Musikgeschichte anhand von bildlichen Darstellungen analysiert und in einen sozialgeschichtlichen Kontext gestellt. Als Grundlage diente mir ein Bilderkatalog mit ausgewählten ikonografischen Darstellungen musizierender Frauen von der Antike bis zur Gegenwart.</p>
<p>Ausgehend von der These, dass Geschlechterkonstruktionen die Musizierpraxis bis heute beeinflussen sowie umgekehrt ebenso durch musikalisches Handeln diskursiv erzeugt werden und mit der Prämisse, dass die bildliche Darstellung von Musik bzw. musizierenden Personen soziale Dimensionen und Ideologien codieren, habe ich mir folgende Fragen gestellt:</p>
<ul>
<li>Inwieweit beeinflusst die Dichotomie der Geschlechter musikalisches Handeln?</li>
<li>In welchen Bereichen werden Geschlechtsidentitäten durch Musik konstruiert?</li>
<li>Sind heteronormative Werte tragend für die Symbolisierung der Musik als körperliche Sinnlichkeit?</li>
<li>Wie zeigt sich die weibliche Konnotation der Musica (Allegorie der Musik selbst) als Imagination von Weiblichkeit?</li>
</ul>
<p><span id="more-4672"></span></p>
<p><strong>Wie bist du auf das Thema gestoßen?</strong></p>
<p>Ich habe in einem Seminar zur Instrumentenkunde eine Hausarbeit über „Fraueninstrumente“ geschrieben, in der ich porträtiert habe, welche Instrumente in der europäischen Musikgeschichte vom jeweiligen Geschlecht bevorzugt verwendet und in welchen sozialen Kontexten sie von Frauen gespielt wurden. Inspiriert von Freia Hoffmanns wunderbarer Arbeit <em>Instrument und Körper. Die musizierende Frau in der bürgerlichen Kultur </em>(Frankfurt a. M. und Leipzig 1991) wollte ich diese Thematik vertiefen und die Formen der Partizipation bzw. der verweigerten Partizipation von Frauen am Musizieren handlungsgeschichtlich skizzieren.</p>
<p>Da die weibliche Partizipation an kulturellem Handeln generell in Feldern angesiedelt ist, die in der Musikgeschichtsschreibung, welche sich hauptsächlich auf das Werk und seinen (meist männlichen) Schöpfer konzentriert, als nebensächlich galten und selten der Aufzeichnung wert gewesen waren, eignen sich Bilddarstellungen für die Reflexion gesellschaftlicher Ideologien (z. B. in Ehe- und Familienportraits) sowie der alltäglichen Musikausübung (vor allem in der Genremalerei) besonders.</p>
<p><strong>Warum hast du ein Thema der feministischen Wissenschaften gewählt?</strong></p>
<p>Feministische Themen und Gender Studies waren mir bereits in meiner Schulzeit sehr wichtig. Da lag es klar auf der Hand, dass sich auch meine Arbeiten im Studium möglichst in diesem Bereich ansiedeln werden.</p>
<p>Zudem studiere ich ein Fach, das nach wie vor androzentrisch geprägt ist. Von ein paar einzelnen musikwissenschaftlichen Instituten wie z. B. denjenigen in Hannover und Detmold/ Paderborn oder der Fachgruppe „Frauen- und Genderstudien“ der <em>Gesellschaft für Musikforschung</em> abgesehen, werden Genderthemen in der Ausbildung kaum bis gar nicht abgehandelt. So wurde z. B. in der Vorlesungsreihe Musikgeschichte, welche sich in der Bachelorausbildung über 2 Jahre erstreckt, nicht eine Komponistin genannt.</p>
<p>Das wirkt sich natürlich auch auf die reale Musikpraxis aus. Man muss sich nur mal die Spielpläne deutscher Konzert- und Opernhäuser anschauen: Werke von Komponistinnen stehen so gut wie nie auf dem Plan. Es ist fast so, als würden diese gar nicht existieren. Der Grund hierfür liegt vorrangig in der Hierarchisierung vom Genius des Musikschaffenden (Komponisten) gegenüber des Reproduzierens von Musik, welche im 19. Jahrhundert installiert wurde und die sich perfekt in den Dualismus Mann (Geist, Schöpfer) und Frau (Körper, Reproduzierende) integrieren ließ. Diese Rezeptionsweise ist in der westlichen Orchesterlandschaft bis heute deutlich zu spüren. Es gibt es also noch viel zu tun …</p>
<p><strong>Was sind deine wichtigsten Ergebnisse?</strong></p>
<p>Mir war es zunächst wichtig, Erklärungen dafür zu finden, warum das Geschlecht eine so große Rolle in der Musizierpraxis zu spielen scheint und ich habe nachgewiesen, dass bereits im Mittelalter und im Humanismus Topoi (= Gemeinplätze, Diskurse, festgefügte Stereotype) installiert wurden, die sich noch bis in die Gegenwart durchziehen und denen sich sogar weibliche Popstars nicht prinzipiell entziehen können, es sei denn durch gezielte Unterwanderung, welche die Existenz dieser Denkformen jedoch wiederum indirekt bestätigt.</p>
<p>Gängige Geschlechternormen haben stets den Rahmen weiblichen Musizierens festgelegt, wobei sich dieses wiederum an der gesellschaftlichen Stellung des männlichen Musikers orientierte. Demnach fand die gesellschaftliche Sanktionierung der Musikerin ihren Höhepunkt mit der vollständigen Etablierung des Musikerberufes etwa zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Frauen an Metallblas-, Bass- und Perkussionsinstrumenten und erst recht Dirigentinnen sind noch heute ein äußerst seltener Anblick im Orchester.</p>
<p>Weiterhin stellt der weibliche musizierende Körper in der gesamten europäischen Musikgeschichte einen Schauplatz ständiger Auseinandersetzung mit Sexualität und Moral dar. Die in der christlichen Philosophie hervorgebrachte Konnotation der sexuellen Provokation einer musizierenden Frau zieht sich mit unterschiedlichen Wertungen bis in die Gegenwart hinein. In der Ambiguität von Musik als sinnlicher Praxis zum einen und als Wissenschaft zum anderen zeigt sich das ebenso ambivalente Verhältnis zwischen dem bürgerlichen Bildungsideal der musizierenden Frau und ihrem Objektstatus des heteronormativen Begehrens.</p>
<p><strong>Dein nächstes Projekt?</strong></p>
<p>Mein nächstes Projekt wird die inzwischen angemeldete Masterarbeit über Liebesdiskurse in der Musik sein, wo dann die gendertheoretischen und queerfeministischen Sichtweisen der Liebe im Mittelpunkt stehen werden.</p>
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		<title>Pretty in Pink</title>
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		<pubDate>Tue, 31 Jan 2012 18:53:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>brigittethe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Doing Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Nachdem LEGO sein Marketing jahrzehntelang auf Buben / Jungs ausgerichtet hat, wurde nun nach &#8220;intensiver Forschung&#8221; eine Serie für Mädchen vorgestellt. Herausgekommen sind rosa Figuren, die Kuchen backen, sich die Haare machen und mit Haustieren spielen. Anita von Feminist Frequency erläutert wie immer fundiert diese furchtbare Strategie des Konzerns: Teil 2 des Videos]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Nachdem LEGO sein Marketing jahrzehntelang auf Buben / Jungs ausgerichtet hat, wurde nun nach &#8220;intensiver Forschung&#8221; eine Serie für Mädchen vorgestellt. Herausgekommen sind rosa Figuren, die Kuchen backen, sich die Haare machen und mit Haustieren spielen. Anita von Feminist Frequency erläutert wie immer fundiert diese furchtbare Strategie des Konzerns:</p>
<p><iframe src="http://www.youtube.com/embed/CrmRxGLn0Bk" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=oe65EGkB9kA">Teil 2</a> des Videos</p>
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		<title>Teilzeit</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Jan 2012 19:50:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>brigittethe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Doing Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[Dem Aufruf von vergangener Woche ist sogleich eine ehemalige Studienkollegin von mir gefolgt. Judith Ivancsits hat sich in ihrer Masterarbeit (Gender Studies) mit der Lebensplanung von Frauen mit Kindern im Burgenland auseinandergesetzt und stellt die berühmte Teilzeit-Frage, die Autor_innen und Politiker_innen aus allen Lagern beschäftigt. Foto: Sarahnaut Was ist das Thema deiner Arbeit, was sind deine zentralen [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Dem <a href="http://www.denkwerkstattblog.net/2012/01/wissenschaftskommunikation/">Aufruf</a> von vergangener Woche ist sogleich eine ehemalige Studienkollegin von mir gefolgt. Judith Ivancsits hat sich in ihrer Masterarbeit (Gender Studies) mit der Lebensplanung von Frauen mit Kindern im Burgenland auseinandergesetzt und stellt die berühmte Teilzeit-Frage, die Autor_innen und Politiker_innen aus allen Lagern beschäftigt.</p>
<p><a href="http://www.denkwerkstattblog.net/wp-content/uploads/2012/01/Bildschirmfoto-2012-01-29-um-19.39.59.png"><img class="alignnone  wp-image-4518" title="Bildschirmfoto 2012-01-29 um 19.39.59" src="http://www.denkwerkstattblog.net/wp-content/uploads/2012/01/Bildschirmfoto-2012-01-29-um-19.39.59-1024x491.png" alt="" width="631" height="303" /><br />
</a>Foto: <a href="http://www.flickr.com/people/sarahrzepecki/">Sarahnaut</a></p>
<p><strong>Was ist das Thema deiner Arbeit, was sind deine zentralen Fragestellungen?</strong></p>
<p>Der Titel meiner Arbeit lautet „<em>Warten auf den Prinzen…?“ Lebenskonzepte von Frauen mit Kindern&#8221;. </em>Ich möchte damit andeuten, dass Frauen ihr Leben von jeher darauf ausgerichtet haben, im gebärfähigen Alter eine Partnerschaft einzugehen, eine Familie zu gründen und im Anschluss daran das ihnen vorbestimmte Leben &#8211; das der Mutter zu führen. Natürlich entspricht dieses Bild nicht mehr ganz der Realität; Frauen machen ihr Leben nicht von Männern abhängig. Sie sind unabhängig und brauchen für ihre Existenzsicherung keinen Partner. Trotzdem ist in Lebensläufen von Frauen ein ganz bestimmter Trend erkennbar: eine aktive Gestaltung der eigenen Biographie erfolgt in vielen Fällen nur bis zum Zeitpunkt einer Familiengründung. So kehren viele Frauen nach einer Karenzzeit nicht mehr zu 100 Prozent in den Beruf zurück, gehen Teilzeit- oder geringfügige Arbeitsverhältnisse ein. Das heißt, auch wenn es heute fast selbstverständlich ist, dass auch Mütter einer beruflichen Tätigkeit nachgehen, ist es nicht selbstverständlich, dass Mütter einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen. Oft stellt eine Teilzeitbeschäftigung aber keine Existenzsicherung dar, was zur Folge hat, dass Frauen trotz Berufstätigkeit von einem Partner abhängig bleiben. Meine zentrale Fragestellung lautet demzufolge: Welche Motive beziehungsweise Beweggründe veranlassen junge Frauen mit Kindern nicht mehr voll in den Beruf einzusteigen?</p>
<p><span id="more-4517"></span></p>
<p><strong>Du sagst, dass Frauen ihr Leben von jeher auf die Familienplanung ausgerichtet haben &#8211; werden mit dieser Annahme nicht andere Lebensentwürfe, die es zu jeder Zeit gegeben hat, ausgeblendet?</strong></p>
<p>Vielleicht habe ich hier ein bisschen zu provokant formuliert&#8230; Grundsätzlich bin ich aber bei meinen Überlegungen vom bürgerlichen &#8220;Ideal&#8221; der Kleinfamilie ausgegangen, das in den 50er Jahren propagiert wurde und auch heute noch immer wieder auftaucht. Es gibt natürlich auch ganz andere Lebenspläne, auf die ich in meiner Arbeit auch kurz eingegangen bin, denn gerade Frauen meiner Generation stehen und standen zumeist alle Möglichkeiten offen und viele haben diese auch genützt. Bildung und Karriere haben heutzutage für Frauen denselben Stellenwert wie für Männer. Es darf dennoch nicht vergessen werden, dass Gegenstrategien für Frauen oft mit Nachteilen verbunden waren und sind; so hat zum Beispiel der späte Wunsch eine Familie zu gründen, weil es aufgrund der Karriereplanung nicht früher möglich war, oft zur Folge, dass Frau sich diesen Wunsch vielleicht nicht mehr erfüllen kann.</p>
<p>Ich möchte damit nicht sagen, dass jede Frau irgendwann den Wunsch verspüren muss eine Familie zu gründen, ich möchte nur darauf hinweisen, dass sich diese Problematik eben nur für einen Teil der Gesellschaft überhaupt ergibt. Männer in der selben Lebensphase stehen nur selten vor diesen Schwierigkeiten. Sie sind es nicht, die &#8220;von Natur aus&#8221; für die Aufgabe der Kinderbetreuung vorgesehen sind. Viele Frauen &#8211; und auch Männer &#8211; stellen diese natürliche Aufgabenverteilung nicht in Frage, was sich auch bei meiner Befragung gezeigt hat. Ich habe mich auf den Lebensplan &#8220;Familie&#8221; bzw. &#8220;Familie und Beruf&#8221; konzentriert, damit die Arbeit nicht &#8220;ausufert&#8221;. Es wäre im Rahmen der MA-Arbeit nicht möglich gewesen, eine umfangreiche Befragung mit Frauen in unterschiedlichen Lebenssituationen durchzuführen. Durch die Konzentration auf diese beiden Lebenspläne bzw. Strategien war es mir möglich auch bei einer kleinen Stichprobe Vergleiche anzustellen und Schlussfolgerungen aufzustellen.</p>
<p><strong>Warum hast du dich für dieses Thema entschieden?</strong></p>
<p>Das Thema habe ich schon ziemlich lange irgendwo in meinem Hinterkopf gehabt. Spätestens aber seit ich für eine kurze Zeit im Verkauf gearbeitet habe. Dort bin ich so richtig mit dieser Problematik in Kontakt gekommen: so wird jeder Mitarbeiterin (Mitarbeiter gibt es in dieser Branche eher weniger) die „Möglichkeit“ geboten, die Anzahl der Arbeitsstunden an die Familiensituation anzupassen, was auch gerne angenommen wird. So haben auch Mütter die Möglichkeit, Geld dazuzuverdienen. Aufstiegschancen gibt es aber nur bei einer Vollbeschäftigung; die Arbeitszeiten (also z.B. nur vormittags) werden – wenn überhaupt – nur wiederwillig angepasst und den geringeren Verdienst brauch ich nicht erwähnen… Schon damals, also bevor ich begonnen habe Gender Studies zu studieren, habe ich mich gefragt, was diese Frauen dazu bewegt, einen geringeren Verdienst und damit eine geringere Pension in Kauf zu nehmen. Die wenigen männlichen Mitarbeiter waren eigentlich alle Vollzeitbeschäftig mit Blickrichtung Aufstieg.</p>
<p>Während des Studiums bin ich dann immer wieder mit Themen wie Altersarmut von Frauen, gläserne Decke und ähnlichem konfrontiert worden. Auch in den Medien ist dieses Thema in den letzten Jahren sehr präsent: so wird gerne auf die gestiegene Erwerbsquote von Frauen hingewiesen, die mittlerweile bei ca. 70% liegt, vergessen wird dabei jedoch, dass dies hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, dass mittlerweile vier von zehn Frauen teilzeitbeschäftigt sind. Verglichen mit 2008 ist demzufolge der Anteil der vollbeschäftigten Frauen von 69% auf 58% im Jahr 2008 zurückgegangen (Frauenbericht 2010). Auch die permanente Diskussion über „Männerkarenz“, die Einführung des „Kindergeldes“ und Umfragen aus denen hervorgeht, dass bei österreichischen Jugendlichen traditionelle Rollenbilder nach wie vor vorherrschen, haben letztendlich den Ausschlag für dieses Thema gegeben.</p>
<p><strong>Was sind deine wichtigsten Ergebnisse?</strong></p>
<p>Ich habe in meiner Arbeit versucht, die Lebenswelt von teilzeitbeschäftigten Müttern (zwischen 28 und 33 Jahren) möglichst authentisch zu erfassen. Ich habe mich dabei auf die Region Eisenstadt-Umgebung konzentriert. Bei der Befragung hat sich gezeigt, dass die Frauen im Großen und Ganzen gerne berufstätig sind, die Berufstätigkeit jedoch nicht an erster Stelle ihrer persönlich gesetzten Prioritäten steht. Das Hauptmotiv zu arbeiten ist die finanzielle Absicherung bzw. einen Beitrag zum Familieneinkommen zu leisten. Die Teilzeitbeschäftigung sehen alle Frauen als gute Möglichkeit, Familie und Arbeit zu vereinbaren; sie wird sowohl von den Frauen als auch von deren Partnern unhinterfragt akzeptiert. Die Nachteile, die eine verkürzte Arbeitszeit mit sich bringt, wurden kaum thematisiert.</p>
<p>Es hat sich gezeigt, dass kein Grund gesehen wird bzw. wurde, die Betreuungspflichten oder die Verteilung der Hausarbeit mit dem Partner auszuhandeln. Bewusst oder unbewusst werden also klassische Rollenbilder angenommen und zumeist unhinterfragt gelebt. Es scheint für alle von mir befragte Frauen ganz normal zu sein, dass sie in ihrer Position als Mutter die Familie in den Mittelpunkt stellen. Als Haupterkenntnis meiner Forschung ergibt sich für mich, dass zwar das Lebensmodell der Hausfrau ein überholtes ist, der Stellenwert der Erwerbsarbeit aber spätestens nach der Geburt eines Kindes von Frauen neu überdacht wird. So rücken der Beruf und auch das Karrierestreben – zumindest für einen gewissen Zeitraum – in den Hintergrund. Auch an der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung hat sich trotz der Erwerbsbeteiligung von Müttern nur wenig geändert, denn auch wenn Frauen berufstätig sind, bleiben die Betreuung der Kinder sowie die Erledigung der Haushaltspflichten zumeist allein ihnen überlassen.</p>
<p>Die provokante Überschrift meiner Arbeit hat sich aber nicht ganz bewahrheitet, denn es ist klar erkennbar, dass sich Frauen nicht ihrem Schicksal ergeben. Sie warten nicht darauf, dass ihr Held in der glänzenden Rüstung kommt und sie aus der Passivität errettet. Frauen nehmen ihr Leben selbst in die Hand, sie bereiten sich auf ein selbstbestimmtes Leben vor und haben auch nicht vor, dieses aufzugeben, wenn sie eine Familie gründen. Es ist aber erkennbar, dass sich an der Schwelle zur Mutterschaft ein Wandel vollzieht. Für viele Frauen wird die berufliche Karriere nebensächlich, die Familie steht im Vordergrund. Die Problematik, dass sich Erwerbsunterbrechungen, wie etwa die Karenzzeit, sehr negativ auf weibliche Berufsverläufe auswirken, wird zwar gesellschaftlich durchaus erkannt, von der Politik aber nicht ausreichend abgefedert.</p>
<p>Ich habe in meiner Masterarbeit aufgezeigt, dass Lebensrealitäten, die in einer Gesellschaft eingenommen werden, geschlechtsspezifisch geprägt sind, dass Geschlecht nicht nur ein individuelles Merkmal ist, sondern die Chancen und Bedingungen für bestimmte Personengruppen in einer Gesellschaft maßgeblich beeinflusst. Und solange Frauen nicht selbst anfangen, ihre geschlechtlich gefärbten Ansichten kritisch zu hinterfragen, wird sich an ihrer Situation wohl auch nichts ändern.</p>
<p><strong>Glaubst du also, dass es, um Problematiken wie die Gehaltsschere und andere Schieflagen in puncto Geschlechterverhältnisse in Österreich zu bekämpfen, es in erster Linie die Initiative von Frauen braucht bzw. dass es sich hier um eine Eigenverantwortlichkeit von Frauen handelt?</strong></p>
<p>Ich glaube, dass es hier nicht möglich ist, allein mit Eigeninitiative etwas zu erreichen. Wichtig ist, dass es Fraueninitiativen gibt, die diese Problematik immer wieder ans Licht bringen und immer wieder und immer wieder thematisieren - wie eine verkrustete Narbe, die immer wieder aufgekratzt werden muss, bis irgendwer ein ordentliches &#8220;Pflaster&#8221; darüber klebt&#8230; Ich sehe einen massiven Handlungsbedarf bei der Politik. Es ist ja schön, dass es Quotenregelungen gibt, oder dass Gehälter offen gelegt werden müssen, aber was sind die Konsequenzen, wenn diese &#8220;Gesetze&#8221; nicht eingehalten werden? Was mich ein bisschen erschreckt ist, dass sich viele Frauen, so wie auch die von mir befragten, scheinbar keine Gedanken darüber machen, welche Konsequenzen eine &#8220;Nicht-Normalarbeitszeit&#8221; für sie haben kann bzw. wird. Die meisten gehen davon aus, dass sie bis &#8220;zum Ende ihres Lebens&#8221; einen Partner haben werden, mit dem sie gemeinsam den Familienlebensunterhalt bestreiten werden.</p>
<p>Neben einer Bewusstseinsbildung ist hier wieder die Politik gefragt: es darf nicht sein, dass Frau dafür &#8220;bestraft&#8221; wird, wenn sie Betreuungspflichten übernimmt. Überhaupt dann, wenn der Ausstieg aus dem Berufsleben großzügig gefördert (Stichwort Kindergeld), der Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen jedoch vernachlässigt wird. Das heißt für mich, dass Frauen nicht allein dafür verantwortlich gemacht werden dürfen, hier etwas zu verändern, aber es schadet nicht, wenn sich so viele wie möglich, so oft wie möglich und so laut wie möglich zu Wort melden, um Ungerechtigkeiten aufzuzeigen. Solange sich auf gesellschaftlicher Ebene nichts an der &#8220;Schieflage&#8221; ändert, ziehen Frauen auch in der privaten Paarbeziehung den Kürzeren, wenn es um die Aushandlung der Betreuungspflichten geht.</p>
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