Macho Macho!

Die Macho-Kultur liegt hierzulande im Sterben. Zeit für ein letztes Aufbäumen.

Es war einer der Gründe, warum ich mich schon mit acht Jahren als Feministin fühlte – auch wenn ich das Wort Feminismus noch nicht einmal kannte. Grillfeste im heimischen Garten, bei denen der Schmäh unter den Männern nur so dahin rannte, Witzchen über die Kochkünste der Gattinnen, über “pralle Blondinen” und andere Begriffe, die ich euch jetzt mal erspare, während die (Ehe-)Partnerinnen stillweigend danebensaßen und alles irgendwie lustig fanden – oder vielmehr finden mussten. Was in den späten 80er-Jahren das Normalste der Welt zu sein schien, hat heute glücklicherweise an Legitimation verloren. Sexismus und Frauenfeindlichkeit werden heute nicht mehr klaglos geduldet. Und das ist gut so. “Das wird man aber doch noch sagen dürfen” ist in 9 von 10 Fällen dann doch nur eine Ausrede dafür, seine privilegierte Position nicht aufgeben zu wollen, in der man es sich so lange gemütlich gemacht hat. Dieses neue gesellschaftliche Klima lockt aber natürlich auch die Rebellen hervor: Die mutigen Typen, die auch als Mitglied der zumindest linksliberalen Kultur-Schickeria mal öffentlich von “geilen Titten” sprechen wollen, ohne dass ihnen sofort auf die Finger geklopft wird. Ein Porträt als “Enfant Terrible” ist ihnen damit immer noch sicher (außer man ist schon zu heftig am rechten Rand angestreift oder hat ganz prinzipiell etwas gegen “die da oben”). Wer die öffentliche Auseinandersetzung scheut, kann aber auch zuhause einfach mal eine Rolling-Stones-Platte auflegen, den neuesten Houellebecq zur Hand nehmen und beim Gespräch mit der Nachbarin ganz bewusst nicht gendern. Und wer sich jetzt von einer Political-Correctness-Jagdgesellschaft verfolgt fühlt, sollte daran denken, dass im Jahr 2017 die Zuschreibung, Sex zu haben, immer noch dazu verwendet wird, Frauen abzuwerten.

PS. Das muss ich dann doch zugeben: So ein bisschen provokant und aus dem Bauch heraus zu schreiben hat schon seinen Reiz.

Wir verdienen mehr

Der 5. April war in diesem Jahr der österreichische “Equal Pay Day” – bis zu diesem Datum müssen Frauen arbeiten, um auf dasselbe Jahresgehalt wie Männer im Jahr 2012 zu kommen. Wie unter anderem der Profil-Artikel zur Lohnschere gezeigt hat, herrscht beim Thema Gehaltsunterschiede sehr viel Verwirrung. Barbara Lavaud, Barbara Marx und Eva Scherz, allesamt bei der GPA beschäftigt, haben im März ein übersichtliches und leicht lesbares Buch veröffentlicht: “Wir verdienen mehr! Gleichberechtigung und faire Einkommen für Frauen”. In der Einleitung sind Zahlen, Daten, Fakten zu Einkommensunterschieden in Österreich und im internationalen Vergleich zu finden, das Einstiegskapitel (“Der lange Weg zur Gleichstellung”) bietet einen historischen Rückblick: Wusstet ihr etwa, dass noch in den späten 70er Jahren “Frauenlohngruppen” existierten, die geringere Löhne für Frauen kollektivvertraglich festschrieben?

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Bild: ÖGB-Verlag

Die Autorinnen erläutern gesetzliche Grundlagen für eine Gleichstellung in der Arbeitswelt und analysieren verschiedene Einflussfaktoren auf die bestehenden Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen. (Fest)angestellte Menschen erfahren außerdem, welche Möglichkeiten der Betriebsrat hat, im Kapitel “Diskriminierung im Kollektivvertrag beseitigen” listen die Autorinnen notwendige Änderungen (aus gewerkschaftlicher Sicht) auf.

Was das Buch nicht leistet, ist eine Kritik an ganz grundsätzlichen Regelungen. So gehen die Autorinnen zwar darauf ein, dass soziale  Sicherungssysteme in Österreich als Versicherungssysteme konzipiert sind, fragen aber nicht weiter nach den daraus entstehenden Ungerechtigkeiten und möglichen Alternativen. Allen Interessierten sei das Buch dennoch als hilfreiche Einstiegslektüre empfohlen. Die Autorinnen haben es geschafft, das komplexe Theme Einkommensunterschiede leicht lesbar und auch spannend aufzubereiten, ein umfangreiches Vorwissen ist dabei nicht notwendig.