Zynisch

Am 1. Oktober 2011 wird, wie der Standard berichtet, mit Christa Neuper zum ersten Mal in der 426-jährigen Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz eine Frau das Amt der Rektorin übernehmen. Das ist gut so. Dem kurzen Bericht des Standards ist zu entnehmen, dass Frau Neuper für junge Frauen gerne ein positives Rollenmodell sei und sie sich freue, wenn sie ihnen zeigen kann, dass beides, also Forschung und Familie, zusammen gehe. Auch das ist gut. Außerdem ist dem Bericht zu lesen, dass Frau Neuper anscheinend das, was sie gerne macht, nicht als Belastung sieht. Ebenfalls gut. Dennoch, nein!

Es reicht meiner Meinung nach nicht aus, an einem Höhepunkt einer weiblichen Karriere zu sagen, seht mich an, all ihr jungen Frauen, Familie und Karriere zu vereinbaren, ist machbar. Singuläre Erscheinungen, und weibliche Rektorinnen sind das in Österreich, als Rollenmodell zu stilisieren, erweckt für mich zu sehr den Anschein dem Zwecke dienlich zu sein, einen „Karriereerfolg“ allein persönlichen Ressourcen zu überantworten und die Rolle struktureller Rahmenbedingungen auszublenden. Und zu sagen „Belastung ist das  keine, ich mache das ja gerne“ und damit, wenn auch in einem anderen Kontext, die Interpretation zuzulassen, dass jene Frauen, und es sind in erster Linie nach wie vor Frauen, die die Doppelbelastung Familie und Beruf zu tragen haben, die den Versuch Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren als Last empfinden, dies wohl nicht gerne tun würden, dient dem altbekannten Zwecke, Frauen in ihren Karrierebestrebungen zu demoralisieren.

(B.A.)


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