Sexismus-Keule zum Frauentag

Anlässlich des 100. Internationalen Frauentags reihte sich gestern eine Veranstaltung an die nächste. Auch an der MedUni Wien wurde unter dem Titel “Ohne Frauen ist keine Universität zu machen” zu einer “hochkarätig besetzten Diskussionsrunde” geladen.

“Seit 1900 sind Frauen in Österreich zum Medizinstudium zugelassen, bei den AbsolventInnen stellen Frauen derzeit die Mehrheit. Die europäische Kommission hält fest, dass das Potential von Frauen essentiell ist und genutzt werden muss, um im weltweiten wissenschaftlichen Wettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben. Trotzdem ist der Frauenanteil unter den ProfessorInnen und in anderen höher qualifizierten universitären Positionen nach wie vor gering”, ist da auf der Website der MedUni zu lesen.

Peter Husslein, Leiter der Universitätsklinik für Frauenheilkunde (!), hatte eine simple Erklärung für das Fehlen von Frauen an der Spitze parat, wie eine teilnehmende Medizinstudentin der Denkwerkstatt berichtete.
Frauen könnten gar keine Oberärztinnen oder Professorinnen werden, da sie ja andauernd mit der Reproduktion beschäftigt seien. Und  überhaupt – wenn eine Frau in Karenz geht und dann jahrelang nur noch zehn Stunden die Woche arbeiten und auch keine Nachtdienste leisten will, würde das Ergebnis auf der Hand liegen.

Als leuchtendes Beispiel präsentierte Husslein hingegen die Arbeitsmoral seiner männlichen Kollegen. Dass ein Stationsarzt in Karenz gehen wollte, das sei ihm in 15 Jahren nur einmal passiert. Als dieser eine Mann nach Karenz fragte, sei seine spontane Reaktion gewesen: “Wohin soll es denn gehen? Harvard, Yale, Oxford?”

Würde es verschiedene Negativ-Auszeichnungen wie die “Zitrone” auf diestandard.at nicht schon geben, mensch müsste sie für Peter Husslein erfinden!


Kommentare

tyndra sagt:

der herr husslein hat ja voll durchschaut, worum es grundsätzlich geht :S

“Und überhaupt – wenn eine Frau in Karenz geht und dann jahrelang nur noch zehn Stunden die Woche arbeiten und auch keine Nachtdienste leisten will, würde das Ergebnis auf der Hand liegen.”

Wenn dies so zutreffen würden, also die Frauen lange aussetzen und danach Teilzeit arbeiten, dann hätte er ja durchaus recht, dass dann nur schwer einzusehen ist, dass sie befördert werden, aber die Vollzeitkollegen mit der dann deutlich höheren Berufserfahrung nicht.

Das Baby ist so wie es momentan läuft eben kein Feminist.

brigittethe sagt:

Erstens ist die Gleichung Baby = Karriereknick keine ahistorische Tatsache, sondern gesellschaftlich gemacht und zweitens sollte jemand in dieser Position bei dieser Veranstaltung eher überlegen, wie mensch herrschende Zustände verändern kann und z.B. Männer dazu bringt, in Karenz zu gehen, anstatt über Nachwuchsmedizinerinnen herzuziehen.

@Brigittethe

Wenn es keiner aussprechen darf, wie soll man dann das Problem lösen? Und die Frage wäre ja dann auch, ob die Nachwuchsmedizinerinnen so ungern in die Karenzzeit gehen.
Ein Grund, warum Männer eher nicht in die Karenzzeit gehen dürfte sein, dass sie auch eher bereit sind, sich Partner zu suchen, die dies für sie machen. Das müssen dann ja auch keine Ärztinnen sein. Vielleicht sollten die Nachwuchsmedizinerinnen das auch so machen.
Warum sie es nicht tun, darüber hat Susan Pinker mit “Das Geschlechterparadox” meiner Meinung nach ein interessantes Buch geschrieben.

brigittethe sagt:

Wenn ich gerade mehr Zeit hätte, würde ich näher darauf eingehen. Insgesamt haben wir aber so unterschiedliche Zugänge, dass eine Diskussion eh wenig bis gar nichts bringt. Ich werde dich als Biologisten nicht überzeugen können und umgekehrt.

@Brigittethe

Wir werden uns wohl nicht gegenseitig überzeugen. Aber andere können vielleicht eine interessante Diskussion lesen und sich die jeweiligen Argumente anschauen. Aber wie es dir passt.

brigittethe sagt:

Bei einer Diskussion ist es natürlich nicht grundsätzlich notwendig, jem. zu überzeugen, aber für mich ist es sehr schwierig zu diskutieren, wenn mensch mit vollkommen gegensätzlichen Konzepten, Begriffen und Zielen im Hintergrund diskutiert. Da passiert dann kein konstruktiver Austausch.


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