Frauenbericht 2010 – Gut ausgebildet und schlecht bezahlt

15 Jahre hat es gedauert, nun wurde vergangene Woche erneut ein Lagebericht zur Situation von Frauen in Österreich vorgelegt. Bundesministerin Heinisch-Hosek präsentierte den Frauenbericht 2010 und widmete ihn der verstorbenen Johanna Dohnal, unter deren Führung der letzte Frauenbericht erstellt worden war. Die Fakten sind abermals ernüchternd: Frauen verdienen weniger und leisten mehr unbezahlte Arbeit, Migrantinnen schneiden noch schlechter ab. Aber auch Positives gibt es zu melden: Im Bereich der Bildung haben Frauen rasant aufgeholt. Offen bleibt die Frage, warum es in der Politik bei Lippenbekenntnissen bleibt.

Der Anteil von Frauen unter den Maturant_innen beträgt mittlerweile 60 % und auch der Anteil von Frauen mit einem Universitätsabschluss hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren verdoppelt. Dennoch ist die Geschlechtersegregation auch im Bildungssektor stark präsent: Frauen wählen kaum technische Lehrberufe und technische Studienrichtungen, im Gegensatz zum Schulpersonal (70 % Frauen) unter den (Universitäts-)Professor_innen finden sich nur 16 % Frauen.

Die Gehaltsschere, also die Ungleichheit zwischen den Einkommen von Männern und Frauen, hat sich in den vergangenen Jahren sogar noch verschlechtert: Frauen verdienen in Österreich rund 18 Prozent weniger als Männer. Zwar ist die Frauen-Erwerbsquote von 61,4 % (1998) auf 68,6 % (2008) angestiegen, allerdings ist der Anteil an Vollzeiterbwerbstätigen gesunken: 4 von 10 österreichischen Frauen arbeiten in Teilzeit, die Teilzeitquote liegt damit deutlich über dem EU-Durchschnitt. (Ö: 41,5 %, EU: 31,1 %). Überstunden werden öfter und in einem höherem Ausmaß von Männern als von Frauen geleistet, zudem bekommen Männer diese häufiger in finanzieller oder anderer Form abgegolten. Rund sieben Prozent der Frauen zählen zu den “working poor”: Trotz Berufstätigkeit sind sie armutsgefährdet, besonders betroffen sind Alleinerzieherinnen.

Foto: BKA/Sebastian Reich

Erstmals wurde auch die Situation von Migrantinnen erfasst. 17 % der Frauen wurden nicht in Österreich geboren, sieben von acht Frauen mit ausländischer Herkunft stammen dabei aus anderen europäischen Staaten. Durschnittlich verdienen sie weniger als österreichische Frauen, sind häufiger mit atypischen Beschäftigungsverhältnissen konfrontiert und häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen.

Insgesamt herrschen in Österreich nach wie traditionelle Rollenverteilungen: Frauen pflegen Kinder, Kranke und ältere Menschen und sind daher weniger mobil, haben schlechtere Aufstiegschancen und arbeiten öfter in einem Teilzeit-Verhältnis. Nach der Geburt eines Kindes reduzieren Frauen häufig ihre Arbeitszeit, während frischgebackene Väter sie ausweiten. In Sachen Kinderbetreuung hat die österreichische Politik schon lange den Anschluss verloren. Europaweite Statistiken zeigen immer wieder, dass in Ländern wie Schweden, Frankreich oder Island, wo massiv in Kinderbetreuung investiert wird, Frauen bessere Chancen im Berufsleben haben und auch die Geburtenrate höher ist. Nur für rund 11 % der unter Dreijährigen gibt es in Österreich einen Betreuungsplatz, Familienpolitik wird hauptsächlich mit monetären Transferleistungen betrieben.

Politisch besteht also Handlungsbedarf. “Frauen müssten an der Spitze von Unternehmen ‘mitentscheiden, damit sich die Gehaltsschere schneller schließt’ und das ‘wird ohne Quote nicht gehen’ , sagt Heinisch-Hosek”, berichtet diestandard.at von der Pressekonferenz. Die Grünen fordernen Investitionen in die Kinderbetreuung und eine Halbierung der Einkommensschere bis 2013 – eine Trendumkehr in Sachen Einkommensunterschiede wird ohne konkrete politische Maßnahmen wohl nur ein frommer Wunsch bleiben.

Die Schlussworte von Gabriele Heinisch-Hosek: “Ich verspreche allen Frauen in unserem Land, dass ich mit voller Kraft, Leidenschaft und Engagement daran weiterarbeiten werde, dass Frauen mehr verdienen und es mehr Kinderbetreuungsplätze gibt. Und ich verspreche den Männern, dass ich lästig bleiben werde. Ich weiß, dass ich mit meiner Beharrlichkeit manchen Männern auf die Nerven gehe, aber uns Frauen nervt auch schon lange, dass wir seit vielen Jahren mit so wenig Lohn abgespeist werden.”

Link: Der Frauenbericht Online


Kommentare

[…] denkwerkstatt hat sich den österreichischen Frauenbericht 2010 durchgelesen: Frauen verdienen weniger und leisten mehr unbezahlte Arbeit, Migrantinnen schneiden […]

[…] Nachdem der österreichische Frauenbericht 2010 zum Teil erschreckende Ergebnisse lieferte, präsentierte Frauenministerin Heinisch-Hosek nun […]

BastI sagt:

Kleiner Tipp:

macht Überstunden, aufm Bau, unter Tage, auf dem Gerüst usw. und ihr werdet sehen, das ihr genausoviel verdient (bei gleicher Leistung wohlgemerkt) wie die Männer…da bin ich auch für Quoten…auf dem Bau, bei der Müllabfuhr, KanalreinigerInn 😉 usw….aber wer sich zu feind für Berufe mit Schmutzulage ist, der soll sich auch ned beschweren

Oder gründet selbst Unternehmen, aber sich ins gemachte Nest zu setzen…ist naja

Ursl sagt:

Eigentlich gehör ich nicht zu denen die Kommentare hinterlassen, aber so viel Unwissenheit sollte dringend erhellt werden.

Ich finde es schön, dass du so viel schwerarbeitende Männer mit nicht allzu schlecht bezahlten Jobs gefunden hast. Ich finde es aber eher traurig, dass dir der Blick auf schwerarbeitende Frauen anscheinend zur gänze fehlt. Putzfrauen, Pflegepersonal in Alten- und Pflegeheimen, Krankenschwestern, usw…und alle schlecht bezahlt. Ganz davon abgesehen, wer hat sich in deiner Kindheit um deine Erziehung und Hygiene gekümmert? Wer hat die wäsche gewaschen? Wer hat gekocht? Und das alles ohne Bezahlung. Sollte das tatsächlich alles von einer männlichen Person besorgt worden sein, gehe ich davon aus, dass du dir dessen bewusst bis, dass dies nicht dem typischen Rollenbild unserer Gesellschaft entspricht. Ganz klar ist es mir nicht, ob deine Äußerungen frauenfeindlichen oder neoliberalistischen Hintergrund haben, aber auf alle Fälle würde ich dir Fachliteratur über Geschlechtersegregation und über Identitätsentwicklung – wie wir zu Mann oder Frau werden – empfehlen. Gut möglich, dass du dadurch deine Sichtweise nicht änderst, aber ich hoffe, dass du sie dadurch zumindest gehaltvoll begründen kannst.

Die besten Wünsche einer Menschenfreundin


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