Workshop: Klassismus in den Medien

Wie lässt sich klassistische Diskriminierung und Sprache in journalistischen Beiträgen analysieren? Was bedeutet diskriminierungsarme bzw. respektvolle Berichterstattung im Kontext sozialer/ökonomischer Benachteiligung und Armut? Und wie sind soziale Herkunft und der Zugang zum Arbeitsfeld Journalismus miteinander verknüpft?

Gemeinsam mit Vina Yun (Idee) habe ich im Mai einen Workshop zu diesen Themen gestaltet, ermöglicht hat ihn das Referat für Working Class Students der ÖH Uni Wien. Nachdem wir in den Räumlichkeiten von Radio Orange zu Gast waren, hat Jaqueline Gam vor Ort gleich eine Radiosendung für ihre Reihe “Medienkritik Orange” produziert. Und diese Sendung könnt ihr hier nachhören.

Falls ihr auch Interesse an einem solchen Workshop in eurer Institution habt – meldet euch!

Klassengespräche: Tanja Abou im Interview

Wie bist du dazu gekommen, dich mit Klasse/Klassismus auseinanderzusetzen?

Klasse und Klassismus waren – bewusst oder unbewusst – schon immer Teil meines Lebens. In der Schule wurde ich als “asozial” bezeichnet. Ich kannte damals die Dimension dieses Begriffes nicht, aber ich wusste, dass es etwas damit zu tun hatte, dass meine Familie materiell arm war und wir uns viele Dinge nicht leisten konnten. In Politprojekten habe ich später das Vorhaben formuliert, “Mittelklassehabitus in Bildungsinstitutionen” zu thematisieren. Das war, bevor ich die ganzen Statistiken kannte, die belegen, dass das bundesdeutsche Bildungssystem nach sozialer Herkunft aussortiert – und dass ich als angebliches “Ausnahmekind” noch von den Ideen der Bildungsreform profitierte. Meine Genoss*innen begegneten dem Vorhaben mit (belächelnder) Skepsis. Heute weiß ich, dass das eine Entmutigungs- und Abwehrstrategie war. Richtig geklickt hat es, als ich an einem Klassismus-Workshop von Leah Caola Czollek und Heike Weinbach teilgenommen habe. Meine Lebenserfahrung und ein theoretischer Rahmen dafür kamen plötzlich zusammen. Seitdem sammle ich Texte, Bücher und Menschen. Ich gebe Workshops, schreibe, zeichne und versuche Leute in Verbindung zu bringen.

Gibt es Texte/Bücher, die dich besonders geprägt haben?

Ich verschenke Michelle Teas “Without a net – the female experience of growing up Working Class” an jede Working Class/Poverty Class Person, von der ich weiß, dass si*er Englisch lesen und verstehen kann. Michelle Tea hat eine Textsammlung von Menschen erstellt, die selber von Klassismus betroffen sind – und wenn ich ganz ehrlich bin, muss ich zugeben, dass ich es bis heute nicht ganz durchgelesen habe. Nicht, weil es mich nicht interessiert, aber ich muss das Buch – wie viele andere auch – immer wieder weglegen, weil ich schlichtweg Rotz und Wasser heule, wenn ich ein Buch lese, wo ich an die Erzählungen anknüpfen kann. Weil ich dann von Leuten lese, dass mein Gefühl richtig war, dass es eine systematische Unterdrückung und Diskriminierung von materiell armen Menschen gibt. Und dass sich diese Unterdrückung in Worte fassen lässt.

Im deutschsprachigen Raum begleitet mich “Klassismus” von Heike Weinbach und Andreas Kemper seit Jahren. Mein Exemplar ist ganz abgegriffen und hat albern viele Haftmarker, die mit Stichworten beschriftet sind. “Mit geballter Faust in der Tasche” war für mich erheiternd und erleichternd, weil da mal andere Genoss*innen die Klassenkonflikte in der Linken thematisieren.
Besonders gefreut hat mich, dass einige der Texte in einer Radiosendung vertont wurden. Ich mag unterschiedliche Vermittlungsmedien. Ich habe zuhause eine kleine Bibliothek, die sich ausschließlich dem Thema Klasse/Klassismus und möglichen Intersektionen widmet. Alles hier aufzuzählen würde hier den Rahmen sprengen – aber ich möchte noch “Class Matters” von Betsy Leondar Wright erwähnen. Das Buch ist von einer Gruppe von Aktivist*innen, die sich damit auseinandersetzen, wie ein Dialog zwischen den Klassen funktionieren kann. Es gibt auch eine Homepage zu dem Buch, die ich oft nutze, um Material für Workshops zusammenzustellen.

Immer wieder erzählen mir Menschen begeistert von deiner Bildungsarbeit bzw. deinen Klassismus-Workshops. Was kann mensch sich darunter vorstellen und wo gibt es mehr Infos dazu?

Ich freue mich sehr über das Kompliment. Ich gebe seit knapp 10 Jahren Workshops. Ich habe die Ausbildung zur Social Justice Trainerin bei Leah Carola Czollek und Heike Weinbach gemacht. Viele der Elemente, die ich dort gelernt habe, verwende ich in meinen Workshops. In den Workshops fokussiere ich in erster Linie die Ebene der Diskriminierung. Das wird von Genoss*innen stark kritisiert, die der Auffassung sind, dass damit die strukturelle Ebene verloren geht. Aber für mich ist es wichtig zu verstehen, wie sich die Vorurteile gegen materiell arme Menschen in struktureller Unterdrückung manifestieren. Feministische Wissenschaftskritik hat mir geholfen zu verstehen, dass die Kontextualisierung dieses Erfahrungswissens ein wichtiger Bestandteil politischer Bewegungen ist. Ich unterscheide zwischen Info- und Empowermentworkshops. Im Anschluss an Infoworkshops biete ich mittlerweile immer einen Empowermentraum an, um mit Betroffenen zu sprechen und sie zu vernetzen.

Warum denkst du ist es wichtig, sich mit Klasse/Klassismus zu beschäftigen und siehst du diesbezüglich Leerstellen in linken/feministischen Bewegungen?

Die Frage nach den Leerstellen lässt sich für mich leichter beantworten, als die Frage, warum ich es wichtig finde, sich mit Klasse/Klassismus zu beschäftigen. Meine Herzensgenossin Julia Roßhart hat ein ganzes Buch zu “Klassenunterschieden im feministischen Bewegungsalltag” geschrieben, in dem sie sich auf Texte bezieht, die wir begeistert untereinander ausgetauscht haben. Für mich waren die Texte der Prololesben, die beschrieben, wie sie von bürgerlichen Genoss*innen sprachlos gemacht wurden bezeichnend dafür, wie eine Mittelklasselinke die wenigen Arbeiter*innen- und Armutsstimmen unter ihnen zum Schweigen bringt und lächerlich macht, und wie wichtig es ist, sich zusammenzuschließen. Ich sehe Wiederholungen in der Geschichte, wann immer es punktuell solche Zusammenschlüsse gab – die dann wieder in der Unsichtbarkeit verschwanden. Ich denke, dass es deswegen wichtig ist, sich mit Klasse/Klassismus zu beschäftigen, damit diese Geschichten nicht wieder verloren gehen – und sie auch zu verknüpfen mit einer Verfolgungsgeschichte, die weit über die Geschichte der Verfolgung der Asozialen im Nationalsozialismus hinausreicht.

Hast du den Eindruck, dass Klasse/Klassismus aktuell in Wissenschaft und öffentlichen Diskussionen wieder eine größere Rolle spielen als noch vor 10 Jahren?

Ich habe den Eindruck, dass beharrliche Interventionen unterschiedlicher Aktivist*innen dazu geführt haben, dass Klassismus als politisches Thema nicht mehr ignoriert werden konnte. Es gibt Schwerpunktausgaben verschiedener politischer Magazine, die Feuilletons lassen so genannte “Bildungsaufsteiger*innen” zu Wort kommen und “Klassismus” lässt sich mittlerweile googlen, ohne dass auf “Klassizismus” korrigiert wird. Das freut mich, aber es macht mich auch skeptisch. Ich würde mir wünschen, dass das Thema Klasse nachhaltiger in die Arbeit der queerfeministischen Linken integriert wird und nicht wieder verdrängt wird. Ich weiß aber auch, dass es weiter die Beharrlichkeit der betroffenen Genoss*innen braucht, wenn das nicht passieren soll. Ich habe ein Buch von Alexandr Bogdanow, “Die Wissenschaft und die Arbeiterklasse”, wo die Grundzüge dessen, was ich in meinen Workshops vermittle, schon 1920 artikuliert wurden. Ich finde es mühsam, das immer wieder – gefühlt – von vorne anzufangen.

Arbeitest du mit dem Klassismus-Begriff? Warum/warum nicht?

Wenn ich von Klassimus spreche, wird mir oft vorgeworfen ich würde nur wollen, dass man “netter zu den Armen” ist. Ich weiß nicht, ob das ein (absichtliches) Missverständnis oder einfach Abwehr von Kritik ist. Für mich ist die Ebene der Diskriminierung nicht zu trennen von der strukuirellen Unterdrückung. Wenn ich nicht artikulieren kann, wie sich Herrschaftsverhältnisse in mein Handeln, Denken und Fühlen eingeschrieben haben, dann kann ich diese Einschreibungen auch nicht verändern. Viel wichtiger sind aber für mich die Rückmeldungen von den Genoss*innen aus der Arbeiter*innen- und Armutsklasse, die beschreiben, wie sie über eine Auseinandersetzung mit Klassismus ähnliche “Klick”-Momente hatten wie ich. Mittlerweile gibt es eine ganze Community auf die ich mich beziehen kann. Das macht uns politisch stark.

Wo findet man Infos über deine Projekte/Texte…?

Am einfachsten über das Institut für Klassismusforschung. Ich bin so richtig schlecht im Selbstmarketing und habe keine eigene Homepage mit meinen ganzen Texten und Projekten. Manchmal muss ich selber googlen, um einen älteren Text von mir zu finden. Für dieses Interview habe ich nun über ein halbes Jahr gebraucht (mea culpa) – sonst würde ich sagen: schreibt mir einfach. Aber vielleicht bin ich gerade ein kleines bisschen müde. Das wird schon wieder. Bis ich meine Kräfte wieder gesammelt habe, werde ich mit Begeisterung Projekte wie diesen Blog verfolgen. Vielen Dank dafür!

Weiterlesen: Francis Seeck im Interview

an.schläge – weil es feministische Medien braucht

Beim feministischen Magazin an.schläge arbeite ich seit 2013. Auch wenn es technisch gesehen nur ein (kleiner) Teil meiner selbständigen Tätigkeit (-> EPU, Ein-Personen-Unternehmen) ist, stecken nicht nur viele, viele Arbeitsstunden, sondern auch mein Herzblut in diesem Projekt. Einerseits ist da viel unterbezahlte und wenig prestigeträchtige Arbeit, andererseits ist es auch ein Privileg, ein so tolles, kritisches und unabhängiges Medium mitgestalten zu können. Medienarbeit fasziniert mich, seit ich mit 10 meine ersten Radiosendungen auf Band gesprochen habe. Ein Stück von diesem Selfmade-Charakter steckt auch in an.schläge: Die geringen Ressourcen zwingen dazu, kostengünstig über diverse Umwege für jedes Problem eine Lösung zu finden, immer wieder neue Kontakte zu knüpfen und unerschöpflich kreativ zu sein.

Auch wenn Eigenlob stinkt: Was die an.schläge seit 35 Jahren mit so geringen Mitteln abliefern, ist beeindruckend. Und weil es da ja eine neue Regierung gibt, könnte die nächste Budgetkürzung vor der Tür stehen – auch unter Schwarz-Blau I wurde die Bundesförderung gestrichen. Nachdem die an.schläge ohne diese Fördersumme nicht in der bestehenden Form weitermachen könnten, braucht es dringend neue Abonnent*innen – und zwar ganze 666. Ein Jahresabo kostet (im Inland) nur 38 Euro – die sich lohnen. Unser Crowdfunding, das noch fast 2 Wochen läuft, hält aber noch andere Goodies bereit (z.B. die schicke neue an.schläge-Tasche).

Holt euch doch ein Abo (oder verschenkt eines!) und helft mit, feministischen Journalismus in Österreich zu sichern. 8 x pro Jahr gibt es politische Analysen und Kommentare, Reportagen, Film- und Serientipps, kluge und unglaublich komische Kolumnen, Interviews mit Kulturschaffenden und Wissenschaftler*innen, Illustrationen – und niemals Feminismus, der nach rechts schielt, sondern klar intersektional und antirassistisch positioniert ist.

Gerade angesichts der aktuellen politischen Lage braucht es feministische Medien dringender denn je: die sachliche, unaufgeregte Analyse, den Schritt zurück, das unaufhörliche Skandalisieren des sexistischen + rassistischen Normalzustands, die Utopien und die beißende Satire. Auf www.anschlaege.eu gibt es alle Infos zum Crowdfunding – bitte gerne weiterverbreiten!

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Unterschreibt!

Wie ihr vermutlich schon gehört und gelesen habt, startet 2018 das Frauenvolksbegehren 2.0. Hinter der Initiative steht ein Team engagierter feministischer Aktivist*innen, die einzelnen Forderungen (von Arbeitswelt über Gesundheit bis hin zu Gewaltschutz) könnt ihr hier nachlesen.

Mein Tipp: Auch wenn ihr nicht jede Forderung unterstützen könnt, euch etwas fehlt oder euch das Instrument Volksbegehren nicht unbedingt sympathisch ist: Macht trotzdem mit! Österreich hat in diesen Zeiten eine (differenzierte) frauenpolitische Debatte gerade mehr als nötig.

In einem ersten Schritt braucht es 8.401 Unterstützungserklärungen, damit das Frauen*Volksbegehren (voraussichtlich im Sommer) tatsächlich starten kann.

So funktioniert es:
“Wir beginnen am 12. Februar 2018 Unterstützungserklärungen zu sammeln. An diesem Tag tritt das Wahlrechtsänderungsgesetz 2017 in Kraft und es ist möglich, Unterstützungserklärungen per Bürger*innenkarte bzw. Handysignatur – also auch von zuhause aus – abzugeben. In Papierform kann man die Unterstützungserklärung an jedem Gemeindeamt in Österreich – unabhängig vom Hauptwohnsitz – abgeben. Die Unterstützungserklärungen werden den Unterschriften der späteren Eintragungswoche angerechnet.”

Und: weitersagen!

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Credit: Christopher Glanzl

Soziale Ausgrenzung im Tod

„Der Friedhofsgräber ist ein anderer als beim letzten Mal. Er sagt jeweils den Namen des Verstorbenen, wenn er die Urne einsinken lässt, und ‚Ruhe in Frieden‘. (…) Ben und ich weinen und schauen dem Friedhofsgräber zu, wie er die Schubkarre ranfährt und die fünf Gräber zubuddelt“, schreibt Francis Seeck. Seeck, Berliner Kulturanthropolog_in und Antidiskriminierungstrainer_in, widmet sich in „Recht auf Trauer. Bestattungen aus machtkritischer Perspektive“ Ausgrenzung und Marginalisierung, die auch nach dem Tod nicht aufhören. Seecks Vater wurde 2009 in Berlin ordnungsbehördlich bestattet, das heißt ohne Zeremonie und ohne Angehörige. Ausgehend von der eigenen Betroffenheit stellt Francis Seeck nun im Rahmen von teilnehmender, engagierter Forschung die Frage, wer betrauerbar ist und wie Klassismus sich auch in der Bestattungspraxis manifestiert.

In Deutschland gilt eine Bestattungspflicht für Tote, die bei den Erb_innen und unterhaltspflichtigen Verwandten liegt. Findet das zuständige Ordnungs- oder Gesundheitsamt innerhalb eines kurzen Zeitraums diese nicht, werden die Verstorbenen anonym bestattet – namenlos, ohne Trauerfeier oder Blumen. Aktuell werden immer mehr von Armut betroffene Menschen so bestattet, schreibt Seeck, oft sind es Menschen, die auch abseits der heteronormativen Kleinfamilie gelebt haben. In klarer Sprache macht Seeck in dem dünnen Band die soziale Ausgrenzung auf Friedhöfen deutlich und zeigt Interventionen für ein Recht auf Trauer auf. Ein großartiges Buch, das mit der Botschaft endet: „Ich wünsche mir, dass mehr über Sterben, Armut und Tod gesprochen wird.“

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Francis Seeck: Recht auf Trauer. Bestattungen aus machtkritischer Perspektive
edition assemblage 2017, 10,10 Euro

Diese Rezension ist in an.schläge VIII/2017 erschienen.
Francis Seeck im Denkwerkstatt-Interview

5 Filmtipps zum Thema Klasse/Klassismus

Die nächsten Interviews mit Aktivist_innen/Autor_innen…  folgen, versprochen, damit sich auf dem Blog endlich wieder etwas tut: 5 äußerst sehenswerte Filme, die sich mit Klassenverhältnissen auseinandersetzen:

1. Moonlight (2016)
“Moonlight” (Regie: Barry Jenkins) erzählt vom Leben eines jungen, schwulen Afroamerikaners und hat zurecht den Oscar in der Kategorie Bester Film gewonnen: mutig, innovativ, ein Lehrstück in Sachen race, class, gender als gesellschaftliche Platzanweiser.

 

2. Wendy and Lucie (2008)
Regisseurin Kelly Reichhardt erzählt die Geschichte von Wendy (Michelle Williams), die mit ihrer Hündin Lucy durch die USA reist und keinen festen Wohnsitz hat. Bedrückend – und niemals voyeuristisch.

 

3. Lichter (2003)
Hans-Christian Schmid hat diesen Episodenfilm an der deutsch-polnischen Grenze angesiedelt. “Ein sorgsam ausbalanciertes Zeitbild zwischen Melodram und Sozialrealismus: der eindringlichste und wichtigste deutsche Film seit langem.”

 

4. Die Alpensaga (1976-1980)
6-teiliges Fernsehdrama von Peter Turrini und Wilhelm Pevny, das mit den Konventionen des Heimatfilms bricht und das Leben in einem oberösterreichischen Dorf zwischen 1900 und 1945 porträtiert.

 

5. Maria voll der Gnade (2004)
Der in den USA und Kolumbien produzierte Film erzählt die Geschichte der jungen Arbeiterin Maria, die auf der Suche nach einem besseren Leben Drogen in ihrem Körper in die USA schmuggelt.

Verlinkt

Der aktuelle Wahlkampf ist – befeuert von den Freiheitlichen und der medial dauerpräsenten ÖVP – geprägt von Hetze gegen Menschen, die Sozialleistungen wie die Mindestsicherung beziehen. Es sind die “Leistungsträger”, die “Fleißigen”, für die die “neue” Volkspartei etwas tun möchte, der in Österreich gut ausgebaute – und dennoch in verschiedenen Punkten verbesserungswürdige – Sozialstaat wird angegriffen, indem rassistische Ressentiments gegen Geflüchtete, gegen Menschen ohne österreichische Staatsbürgerschaft geschürt werden. Medial geht diese Strategie leider auf: Schon vor der Affäre Silberstein wurde allerorts diskutiert, ob Geflüchtete dieselben Sozialleistungen wie StaatsbürgerInnen bekommen sollen, für eine differenzierte Auseinandersetzung mit Fragen von Verteilungsgerechtigkeit – oder gar der Menschenrechte – gibt es hingegen wenig Raum. Hier einige Leseempfehlungen zum Klassenkampf von oben:

Welche Folgen die Deckelung der Mindestsicherung in Niederösterreich hat, zeigt folgender Fall: Einer wohnungslosen Frau in Krems wurde die Mindestsicherung auf rund 226 Euro gekürzt, weil sie einen Platz in einer Wohngemeinschaft bekam, berichtet der Standard. Einen Bericht dazu gibt es auch auf FM4.

Die Armutskonferenz zeigt anhand von weiteren Beispielen die Auswirkungen der Kürzungen im Mindestsicherungsgesetz auf.

Auch das vermeintliche Vorbild-Modell Hartz IV zerpflückt die Armutskonferenz: “In Deutschland hat sich die Zahl der Menschen, die arbeiten und trotzdem arm sind, seit 2005 verdoppelt.”
Einen ausführlichen Schwerpunkt zu den Auswirkungen von Hartz IV gab es auch in der Ausgabe III/2015 der an.schläge.

Vermögen befindet sich in Österreich in den Händen weniger: Laut einer aktuellen Schätzung soll das reichste Prozent der Bevölkerung 40,5 Prozent des gesamten Nettovermögens besitzen. Anschauliche Grafiken dazu sind auf der Website der Arbeiterkammer zu finden. Den Bericht der Arbeiterkammer gibt es hier zum Download. Weitere Infos zur Vermögensverteilung in Österreich sind auf www.verteilung.at (Seite des Jahoda Bauer Instituts) zu finden. Zusätzlich ist Vermögen in Österreich – wenig überraschend – sehr ungleich zwischen den Geschlechtern verteilt.

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“Das Wahlprogramm der neuen ÖVP begünstigt besonders die reichsten drei Prozent“, analysiert Stephan Schulmeister.

“Seit zehn Jahren ist es legal, osteuropäische Frauen für Pflegearbeit nach Österreich zu holen. Ein fragwürdiges Jubiläum. Für rund 800 Euro arbeiten sie zwei Wochen lang durchgehend. Zwischen Ausbeutung und Sinnhaftigkeit: Ist die Legalisierung gelungen?”, schreibt Teresa Havlicek auf dem Mosaik-Blog.

Alleinerziehende, die in Österreich massiv von Armut und Ausgrenzungsgefährdung betroffen sind, kämpfen in Österreich seit Jahren für eine verbesserte gesetzliche Regelung des Unterhalts. Nach einer scheinbaren Einigung aller Parteien in einer TV-Diskussion spielt die ÖVP nun erneut die “Ausländer-Karte”. Aktuelle Infos zum Thema und dazu, was ihr tun könnt, findet ihr u.a. auf der Facebook-Seite der ÖPA.