30 Jahre an.schläge – Party!

Die an.schläge sind 30 Jahre alt. Und nachdem die an.schläge das einzige deutschsprachige feministische Monatsmagazin sind, ist das eine großartige Leistung. Also muss gefeiert werden! Lesung und Party:

8. November, ab 20 Uhr
brut im Künstlerhaus/Foyer/Bar
30 Jahre an.schläge – 3 Jahre Club FIORUCCI
PARTY LIKE IT’S 1983!

Das feministische Magazin an.schläge und die Partyreihe Club Fiorucci feiern gemeinsam Geburtstag und lassen es krachen!

In Kooperation mit dem Freischwimmer Festival lesen ab 20 Uhr Redakteurinnen und Friends passend zum thematischen Festivalschwerpunkt INTIM private, politische und pikante Artikel und Kolumnen aus den an.schlägen. An diesem Abend kann man mit den Macherinnen ins Gespräch kommen und alte und neue FreundInnen treffen.

Es lesen: Denice Bourbon, Sonja Eismann, Ina Freudenschuß, Nadine Kegele, Mieze Medusa, Squalloscope, Claudia Unterweger und Helen Zangerle.

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Rotherham

Im aktuellen “Spiegel” ist ein ausführlicher Bericht (der mich zu weiteren Recherchen motivierte) aus Rotherham zu lesen, jener Stadt im Norden Englands, in der eine unglaubliche Häufung von sexualisierter Gewalt gegen Kinder (großteils Mädchen) aufgedeckt wurde. Zwischen 1997 und 2013 wurden mindestens 1.400 Kinder und Jugendliche jahrelang ausgebeutet und gehandelt, vergewaltigt und erpresst. Die Schilderungen der einzelnen Fälle und das Versagen der Behörden treiben einem Tränen der Wut in die Augen.

In den Medien (vor allem den deutschsprachigen) wurde der Fall vor wenigen Wochen häufig auf einen Umstand reduziert: Behörden hätten von den Verbrechen gewusst und sie aus Gründen der political correctness vertuscht. Da es sich bei den Tätern großteils um pakistanische Migranten handelte, wäre die Angst zu groß gewesen, als Rassist_in zu gelten. “Wenn politische Korrektheit Missbrauch ermöglicht“, titelt etwa der Focus online, “Rotherham: Angst vor Rassismusvorwürfen ermöglichte Missbrauch“, schreibt auch der Standard. Wäre organisierte sexualisierte Gewalt für die Täter tatsächlich aus Angst vor Rassismusvorwürfen folgenlos geblieben, so würde diese Perversion von political correctness wohl zu Recht für Fassungslosigkeit in allen Reihen sorgen.

Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich diese Verkürzung jedoch – wenig überraschend – als falsch. Alexis Jay, Universitätsprofessorin und frühere Sozialarbeiterin, hat im Auftrag der Bezirksverwaltung Rotherham einen unabhängigen Bericht erstellt und dafür Ermittlungsakten und Berichte analysiert und unzählige Interviews mit Involvierten geführt (er steht hier zum Download). Der Bericht macht auf 159 Seiten klar, dass nicht political correctness für das Versagen der Behörden verantwortlich ist, es sind vielmehr die sexistischen, frauenverachtenden und klassistischen Strukturen, gesellschaftliche Bedingungen, die mit dem Begriff der rape culture beschrieben werden.

Eine Analyse der vielen Fälle zeigt, dass die Täter gezielt Beziehungen zu 11- bis 14-jährigen Mädchen aufbauten, viele von ihnen hatten bereits Gewalterfahrungen in der Familie und/oder wurden in sozialen Einrichtungen betreut, es waren oftmals Kinder aus Working-Class-Familien. “Die Beamten hörten die Kinder selten an und stellten, statt zu ermitteln, die Glaubwürdigkeit der Opfer infrage. (…) Da war die Haltung von Polizisten bis hinauf in die Führung: Kindesmissbrauch sei ein Problem des Pöbels, das sich nie lösen lasse”, ist im Spiegel zu lesen.

Im Oktober 2013 verfasste der zuständige Staatsanwalt ein Rundschreiben an die ermittelnden Behörden, in denen falsche Mythen im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt erklärt werden. “The victim invited sex by the way they dressed or acted”, “The victim used alcohol or drugs and was therefore sexually available” und “The victim is in a relationship with the alleged offender and is therefore a willing partner”, ist da zu lesen. Alexis Jay schreibt dazu im Bericht: “All of the above elements have been referred to at some point in historic files we read, usually as reasons given by the Police or the CPS for not pursuing suspected perpetrators.”

Es sind Fälle, in denen die Polizei eine 12-Jährige festnahm, weil sie betrunken war, ihr Vergewaltiger wurde nicht belangt. Hinweise von besorgten Eltern wurden ignoriert, viele Opfer schwiegen aus Scham und Angst. In einigen Fällen wurden Behörden erst bei wiederholten Selbstmordversuchen aktiv. Einzig die Organisation “Risky Business” wird vielfach positiv hervorgehoben, der Jugendhilfeverein versucht seit den 1990er-Jahren, Kinder und Jugendliche über sexuelle Ausbeutung und mögliche Handlungsstrategien aufzuklären.

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Gockelhafte Welt

Dieser Text ist in der Juni-Ausgabe der an.schläge erschienen.

Susanne Riegler ist eine der wenigen Aufdeckungsjournalistinnen in Österreich. Ein Porträt.

In den 1980er-Jahren war Österreich noch etwas enger als heute. Provinzieller, kleinbürgerlicher – und vor allem patriarchaler. Wenngleich Johanna Dohnal gemeinsam mit der sozialistischen Regierung Kreisky bereits eine frauenpolitische Wende eingeläutet hatte, wurde das Land immer noch von alten, mächtigen Männern regiert. Im Burgenland war es Landeshauptmann Theodor Kery, der von 1966 bis 1987 – länger als jeder andere – ein Bundesland mit absoluter Mehrheit regierte. Ähnlich wie Reformkanzler Bruno Kreisky stand er für Modernisierung und Aufschwung. Doch ganz im Gegensatz zum Kanzler frönte er eigenwilligen Leidenschaften: In seinem Haus lagerten rund vierzig Waffen: Pistolen und sogar Maschinengewehre. Kery, einst NSDAP-Mitglied, verband zudem eine Freundschaft mit Tobias Portschy, Nationalsozialist und ehemaliger Gauleiter. „Das muss man sich einmal vorstellen“, sagt Susanne Riegler, die den Waffenbesitz aufdeckte. „Ein sozialistischer Landeshauptmann trifft sich regelmäßig mit dem ehemaligen Gauleiter in dessen Wirtshaus, und alle wissen das“, erinnert sich Riegler im Gespräch.

Die damalige Jungjournalistin arbeitete zu dieser Zeit als Freie für das monatlich erscheinende Fellner-Magazin „Basta“, angetrieben vom Wunsch, soziale Missstände aufzudecken. Ihre ersten Texte hatte sie beim 1982 eingestellten „Extrablatt“ veröffentlicht, eine Art linkes Gegenprojekt zum bürgerlichen Profil, wo auch Elfriede Jelinek und Christoph Ransmayr publizierten. „Während meines Publizistikstudiums bin ich nach Südafrika gereist. Die Eindrücke, die das Apartheitsregime bei mir hinterlassen hat, haben mich so bestürzt, dass ich danach meinte, über solche Missstände informieren und aufklären zu müssen – eigentlich ein sehr naiver Zugang damals“, erzählt Susanne Riegler über den Beginn ihrer Karriere als eine der ersten und sehr wenigen investigativen Journalistinnen Österreichs.

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Verlinkt

Nationalratspräsidentin und ehemalige Frauenministerin Barbara Prammer ist Anfang August an ihrem Krebsleiden verstorben. Die 60-Jährige Sozialdemokratin galt unter anderem als engagierte Antifaschistin, in ihrer Amtszeit hat sie die Demokratiewerkstatt ins Leben gerufen. Ein Nachruf (unter vielen) findet sich hier.

Der Frauenring hat eine Petition für geschlechtergerechte Sprache gestartet. Über 2.100 Menschen haben sie bereits online unterzeichnet. Eine Stellungnahme zum Brief der 800 in der Krone gibt es mittlerweile auch vom Institut für Germanistik der Uni Wien.

Gesundheitsminister Stöger möchte Abtreibungen endlich auch in Vorarlberg und Tirol in öffentlichen Spitälern angeboten sehen. Über eine furchtbare Stellungnahme dazu vom Leiter der Uniklinik Innsbruck schreibt Beate Hausbichler.

Die Sommer-Ausgabe der an.schläge widmete sich dem Schwerpunktthema Veganismus. Einige Artikel gibt es online nachzulesen.

Der Spiegel berichtet über minderjährige Flüchtlinge aus Mittelamerika.

Das Magazin Datum hat Clemens Lahner, den Anwalt von Josef S. interviewt. Josef S. wurde im Zuge der Proteste gegen den Wiener Akademikerball verhaftet  und schließlich verurteilt.

Über den Prozess gegen Josef S. und die österreichische Justiz hat die Frankfurter Rundschau einen treffenden Artikel veröffentlicht.

Das Projekt “Prozessreport” berichtet online von Prozessen, im September startet der Fluchthilfeprozess gegen acht Refugees.

Sexarbeit: Lohnsteuer ja, Arbeitsrechte nein” – Über die Ausgrenzung von Sexarbeiterinnen im Wiener Bezirk Floridsdorf.

Mahriah und Heike haben auf Radio Orange über das Wiener Femcamp gesprochen.


Bücherkauf in Wien

An dieser Stelle habe ich im Sommer gerne Romane von großartigen Autorinnen empfohlen, nachdem ich im letzten halben Jahr aber viel getan habe, nur nicht Romane gelesen, stelle ich euch stattdessen meine liebsten Buchläden in Wien vor. Ihr wisst ja: Amazon ist nicht unbedingt empfehlenswert und überhaupt haben Buchläden (wenn es nicht gerade große Ketten sind) doch richtig Flair.

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ChickLit
Diesen Laden muss ich wohl wenigen meiner Leser_innen noch vorstellen. Die einzige feministische Buchhandlung Wiens besticht durch ein tolles Sortiment und ebenso tolle Laden-Inhaberinnen, außerdem finden regelmäßig Lesungen, Buchpräsentationen und Diskussionsveranstaltungen statt. Mittlerweile könnt ihr Bücher auch im Online-Shop bestellen.

Frick International
In diesem Geschäft gibt es ein breites Sortiment englischsprachiger Literatur, außerdem russische, spanische, französische und italienische Literatur (auch weitere Sprachen, leider kann ich nicht alle aufzählen). In der Abteilung Politik und Philosophie findet ihr viel linke Literatur, außerdem hat der Laden ein wirklich gutes Sortiment an Zeitschriften, die mensch anderswo nicht findet.

Orlando
Hier trefft ihr auf eine belesene und sympathische Buchhändlerin, die euch gerne Empfehlungen gibt. Tolles Belletristik-Sortiment.

Löwenherz 
In der Löwenherz Buchhandlung liegt der Schwerpunkt auf lesbischer/schwuler/queerer Literatur, auch das Film-Sortiment kann sich sehen lassen. Die Inhaber sind sehr nett und helfen auch bei schwierigen Bestellungen.

ÖGB Buchhandlung 
Hier findet ihr vor allem politische/wissenschaftliche/linke Literatur, der Tisch mit
(queer-)feministischer Literatur ist stets gut gefüllt. Außerdem könnt ihr hier ungestört stöbern.

Kuppitsch
In dieser sehr großen Buchhandlung ist ein umfangreiches Sortiment an wissenschaftlicher Literatur lagernd, zudem gibt es Belletristik, Reiseliteratur, Zeitschriften und viele Angebote.

Bücherbörse im NIG
Hier gibt es gebrauchte Bücher zu einem sehr günstigen Preis, die vor allem für ein Studium an der Uni Wien nützlich sind. Literatur, die ihr nicht mehr benötigt, könnt ihr hier weiterverkaufen. Leider ist das Sortiment in manchen Sparten oftmals dürftig – also los, packt eure Bücher ein und bringt sie ins NIG (sharing is caring)!

Adressen und Öffnungszeiten findet ihr auf den jeweiligen Websites.

PS. Ich würde mich sehr über Roman-Empfehlungen von eurer Seite freuen!


Schutzzonen

Im US-Bundesstaat Massachusetts wurde diese Woche ein Gesetz durch den Supreme Court aufgehoben, das rund um Abtreibungskliniken Schutzzonen festlegte. Sieben Abtreibungs-GegnerInnen hatten die Klage initiert – und gewonnen. Die Schutzzonen würden dem First Amendment, der Redefreiheit, widersprichen. In den USA hat es bereits mehrmals gewalttätige Ausschreitungen vor bzw. in Abtreibungskliniken gegeben, 1994 erschoss ein radikaler Abtreibungsgegner in Massachusetts zwei Klinik-Mitarbeiterinnen.

Rachel Maddow kritisiert die fatale Entscheidung und wirft einen Blick auf die Geschichte der Gewalt, die in den USA von radikalen AbtreibungsgegnerInnen ausgeht:


Die Hymne, Gabalier und Werbegelder

Schon 2011 habe ich über die Töchter und die Bundeshymne gebloggt. Ich wollte eigentlich nie mehr über das Thema schreiben (warum ich die Töchter in der Hymne gut finde, könnt ihr im Blogbeitrag nachlesen), mich nie mehr mit den “Haben wir denn keine anderen Sorgen!”-Menschen auseinandersetzen. Aber dann singt ein Schlagerstar bei einem Energy-Drink-Autorennen die Bundeshymne und ganz Österreich hat keine anderen Sorgen interessiert sich dafür. Mit den Aussagen von Andreas Gabalier möchte ich mich gar nicht im Detail auseinandersetzen, er hat gestern im ZIB24-Interview ziemlich viel Blödsinn gesagt (unter anderem, dass sich das Parlament doch nach den Foren-Poster_innen richten solle). Ich hoffe ja fast, dass diese ganze Aktion ein PR-Stunt seines Managements ist und er nicht wirklich hochmotiviert durch Österreich tingelt, um “österreichisches Kulturgut zu erhalten”.

Dass die ZIB24 eine Studio-Diskussion organisiert und Ö3 auf seiner Website über die Töchter in der Hymne abstimmen lässt – mittlerweile hat auch Steiermark.orf.at mit einer noch blöderen Abstimmung nachgelegt – ärgert mich (Der Text ist eigentlich gesetzlich festgelegt, wer sich für den juristischen Aspekt interessiert, sollte am Frauenring dranbleiben). Ich unterstelle dem ORF nämlich, dass hier einfach auf die Klickzahlen geschielt wird, weil das Thema so schön polarisiert. Über 90 Prozent stehen auf der Ö3-Website hinter Gabalier und ich kann mir gut vorstellen, dass der Radiosender das Endergebnis mit “Österreich hat abgestimmt” oder so ähnlich präsentiert. Dass eine solche Abstimmung repräsentativ sei, glaubt ja auch Herr Gabalier. Natürlich lässt sich so eine Geschichte medial gut ausschlachten, aber zumindest der ORF (wie war das noch mal mit dem öffentlichen Auftrag?) könnte sich solche billigen Strategien sparen. Mich frustriert es auch deshalb, weil ich in der Rolle der Öffentlichkeitsarbeiterin immer wieder mal versuche, Medien für feministische Themen zu interessieren – was verdammt schwierig ist. Im März habe ich mich zuletzt besonders geärgert: Da wird die größte Studie zu Gewalt gegen Frauen in sämtlichen EU-Ländern präsentiert und die Berichterstattung des öffentlichen Rundfunks fällt äußerst dürftig aus. Ich hätte mir z.B. ein “Im Zentrum” zu dem Thema gewünscht (den “Club 2″ gibt es ja nicht mehr), fundierte Diskussionen mit Expert_innen zu Hintergründen usw. Leider nein.

Bin ich jetzt eigentlich selbst eine von den “Haben wir denn keine anderen Sorgen!”-Menschen? Unterschätze ich die Bedeutung der Diskussion? Was ich auf jeden Fall unglaublich lustig finde: Mir begegnen oft Menschen, die meinen, “die Feministinnen” würden sich vorrangig um Sprache und “andere Banalitäten” statt um die wirklichen Probleme kümmern. Besonders eifrig melden sie sich aber dann zu Wort, wenn es um das Binnen-I, den Begriff Heteronormativität oder einen geänderten Hymnen-Text geht. Die Bedeutung von Sprache kann mensch offensichtlich gar nicht überschätzen.

Zum Schluss noch ein Vorschlag für den ORF, falls schon die nächste Diskussionssendung in Planung ist: Interessant wären doch die Fragen (worauf mich gerade eine Kollegin hingewiesen hat), wozu es Nationalhymnen eigentlich braucht und welche Töchter und Söhne denn da gemeint sind.

PS. Zum an die Wand pinnen noch ein Zitat von Brigitte Hornyik, Verfassungsjuristin und stv. Vorsitzende des Frauenrings: “In der Frauenpolitik gibt es sehr viel zu tun, wenn nicht einmal symbolische Signale für den gesellschaftlichen Wert der Frauen in der Gesellschaft unumstritten sind.”

Andere Blogbeiträge zum Thema:

Ingrid Brodnig über den Shitstorm gegen Gabriele Heinisch-Hosek
Barbara Kaufmann ebenfalls über die Ministerin und hasserfüllte Sprache